Es war ein heller Wintertag, der ihr Sehnsucht nach Michael machte. Sie sah ihn wieder wie früher durch den Hinterhof kommen, mit seinen langen stacksigen Schritten. Er klopfte an das Küchenfenster und rief: „Hallo, Renate, wollen wir, nach den Booten sehen?“

„Ach, Michael, du frecher Kerl“, erwiderte sie, „nimm doch wenigstens die Zigarette aus dem Mund, wenn du mit mir redest. Und außerdem – es, ist Samstag heute und ich bin beim Spülen. Geh allein.“

„Nein“, sagte Michael, lachend, „wenn ich mitten im Winter nach den Booten sehe, mußt du mitgehen. Komm ...“

In diesem Augenblick trat die Mutter in die Küche. Renate schrak auf und begann hastig den Spülstein zu wischen. – „Renate“, sagte die Mutter, „ich habe die Einkaufstasche mit den Lebensmittelkarten in den Flur gelegt. Wirst du jetzt gehen?“

„Ja, sofort“, entgegnete Renate und wrang das Spültuch aus. Sie trocknete sich die gerieten Hände und band die Schürze ab. – „Ich will mich nur noch kämmen“, sagte sie und ging auf ihr Zimmer. Oben stellte sie sich vor den Spiegel. Sie sah eine Falte auf ihrer Stirn. Sie strich mit der Hand darüber. Sie dachte an Michael.

Während sie die Treppe hinunterstieg und durch den Flur schritt, dachte sie noch immer an ihn. Sie öffnete die Haustür. Sie fuhr zurück. Eine Stimme sagte: „Da bist du ja, Renate Ich habe lange auf dich gewartet.“

– „Michael“, flüsterte sie.