Marcel Cachin, der achtzigjährige französische Kommunistenführer, bezeichnete die Vermutungen über einen Kurswechsel. der kommunistischen Politik als einen „gewältigen Irrtum“. Er habe in seiner: Rede als Alterspräsident der französischen Nationalversammlung lediglich für den Frieden gesprochen, wie es die Kommunisten Immer getan hätten. Mit dieser Erklärung bereirete Cachin allen. Gerüchten, über eine „neue Friedensoffensive der Sowjets“, die ereinige Tage vorher selber hervorgerufen hatte, ein Ende. Er hatte nämlich in der französischen Nasionalversammlung in einer äußerst, zurückhalsenden Rede bedauert, daß bereits von der Unvermeidlichkeit des Krieges gesprochen werde. Dieser Rede Cochins folgte dann die von der Moskauer Presse und dem Rundfunk in großer Aufmachung verbreitete Erklärung des Exekutiv-Aufmachung der Fortschrittspartei von Henry Wallace. Darin war Präsident Truman aufgeforden worden, sein Versprechen – er werde den Frieden wahren – zu halten, indem er mit Stalin zusammenträfe, die Konflikte löse und den Atlantik-Pakt ablehne.

Der Versuchsballon des Kreml platzte in der heißen Luft Washingtons. Der scheidende stellvertretende Außenminister Lovett äußerte sich vor dem Senatsausschuß unmißverständlich über die Aggressionspolitik der Sowjets, und Marshall-Administrator Hoff man berichtete über die Eindrücke seiner Auslandsreise: „Ich bin mit der absoluten Überzeugung zurückgekehrt, daß das sowjetische Politbüro eine Offensive zur Beherrschung der Welt ausgelöst hat. Diese Offensive wird mit einen Intensität und Entschlossenheit durchgeführt, welche die Bemühungen Hitlers als amateurhaft erscheinen lassen.“ Präsident Truman blieb in diesem Falle kaum eine andere Wahl, als auf einer Pressekonferenz eher ablehnend als zustimmend den Wunsch zu wiederholen, Marschall Stalin eines Tages in Washington begrüßen zu können.

Die Bemühungen Moskaus, mit dem Westen ins Gespräch zu kommen, in langen Konferenzen Zeit zu gewinnen und damit die Konsolidierung Westeuropas, zu verzögern, sind verständlich. Der Kreml will offenbar selber den Zeitpunkt bestimmen, in dem ein neuer Vorstoß zur Verbestimmen, von Lenins Vermächtnis – Sieg des Kommunismus in der ganzen Welt – unternommen wird. Die kommunistische Gefahr ist für alle offensichtlich, und je näher man an die Sowjetunion grenzt, desto, mehr glaubt man, von ihr zu wissen. Deswegen setzt immer in den Randstaaten der Demokratie eine Panikstimmung ein, sobald von Annäherungsversuchen zwischen Moskau und Washington berichtet wird. Dabei neigt man oft dazu, in jedem Schritt der Sowjets eine tief begründete und überlegte Haltung zu suchen und gleichzeitig die Maßnahmen der Westmächte zu unterschätzen.

Äußerungen von Präsident Truman „I like old Joe“ oder, es gebe im Politbüro eine amerikafreund licheOpposition, bedeuten nicht allzuviel, solange diemilitärischen Vorsichtsmaßnahmen der Demokratien dadurch nicht beeinträchtigt oder aufgehalten werden. Das war bisher noch nicht der Fall. Außerdem ist es nicht sicher, ob der Osten oder Westen von der Aufschiebung – des scheinbar unausweichlichen Zusammenstoßes mehr profitieren kann. Schließlich ist auch der hoffnungsloseste Versuch gerechtfertigt, eine friedliche Lösung zu suchen. B–w