Die weißen Preise zeigen sinkende Tendenz, die schwarzen nicht weniger. Ist das Angebot an den schwarzen Märkten größer und sind die Risiken hier geringer geworden? Oder hat die Nachfrage im Zuge der stetigen Normalisierung des Wirtschaftslebens nachgelassen? Oder ziehen sich die großen Devisenschieber ans dem D-Mark-Geschäft zurück und sinkt deshalb das freie D-Mark-Angebot im Ausland, mit – der Rückwirkung steigender Kurse für deutsches

Die einzelnen Faktoren spielen wohl ineinander. Das schwarze Angebot steigt. Die Schwarzmarktorganisationen, eingeschlossen diejenigen der DP-Läger, haben sich so gesichert mit Importlizenzen und internationalen Transportverbindungen, daß ihr Geschäft auf vollen Touren läuft und die Risiken ständig geringer geworden sind. Ihr Nutzen liegt heute hauptsächlich in der Steuerhinterziehung, während sie um die Entrichtung des Zolls nur noch selten herumkommen.

Die Nachfrage hat nur auf Teilgebieten nachgelassen, nämlich da, wo das weiße Angebot so groß ist, daß schwarze Ware „uninteressant“ wurde. Das trifft nicht für alle Genußmittel zu. Mit der Einstellung in den Kreisen der Abnehmer schwarzer Ware, daß „man“ nun bei Einladungen etwas bieten müsse – vor der Währungsreform reichte eine Tasse Tee – ist die Nachfrage eher gestiegen. Die viel gekaufte Schokolade, ist, wie die Verpackung ausweist vom Ausland gekommen, ist also „richtige“ schwarze Ware.

Wie steht es mit den Devisenhyänen? Nicht gemeint sind damit die Höker, die en passant oder im kleinen Stil sich mit dem Devisenhandel beschäftigen, also letztlich das Geschäft nicht selber beeinflussen können. Für sie ist der Kurs der „Großen“ der feststehende Marktpreis. Wir sprechen hier von Großunternehmen des illegalen Devisengeschäfts, wie der Polnischen Militärmission in Berlin, der russischen Rasno-Export, den SED-Dienststellen, die ihre illiquide westdeutsche Propagandamaschine mit Geld versorgen müssen, von den südost- und südeuropäischen Manager, die sich um München und Frankfurt konzentrieren, oder Stellen, die unter die Rechtsprechung der Besatzungmächte fallen. Von denen hören wir nur gelegentlich, wie kürzlich durch das Aufdecken eines Schieberkomplotts durch General Clay. (In diesem Zusammenhang verdient vielleicht auch das Problem Erwähnung, das sich ans einer Anweisung an die JEIA-Beamten ergibt: danach dürfen diese sich erst zwei Jahre nach ihrer Entlassung aus JEIA-Diensten an Geschäften beteiligen, die mit Deutschland zu tun haben.) Ist für die großen Jobber das deutsche Geschäft uninteressant geworden? Es scheint so; nur sind natürlich die politischen Direktiven, die dahinterstehen können, nicht festzustellen. Wirtschaftlich jedenfalls glauben wir, daß die Gegengeschäfte, die den schwarzen Handel mit D-Mark und Genußmitteln erst „großgemacht“ haben – das Geldgeschäft, der Diamantenhandel, die affaires in nur aus Deutschland zu beziehenden Engpaßmaterialien – langsam aufhören. Vom deutschen Markt ist nämlich nicht mehr viel an Wertbeständigem zu holen. Oder aber: solche Geschäfte geschehen nun „weiß“.

W-n.