Das Los der deutschen Zwangsarbeiter – Primitive Arbeitsbedingungen unter Tage

Von Heinz Schenk

Der Einsatz deutscher Kriegsgefangener in den Kohlengruben des Donbass ist besonders stark, um die Deckung des Kohlenbedarfs unbedingt sicherzustellen.In allen Teilen des europäischen Rußland wurden immer wieder Lager aufgelöst oder verkleinert und Tausende deutscher Kriegsgefangener nach, dem Donbass gebracht. Man sprach von einem Gesamteinsatz von 200 000 im Donezgebiet. Der größte Teil dieser zusätzlichenArbeitskräfte wurde, obwohl die Kriegsgefangenen fast durchweg keine Erfahrung im Grubenbetrieb und in der Grubenarbeit hatten, schon wenige Zeit nach, ihrer Ankunft unter Tage geschickt. Nur ein kleiner Teil löste andere Arbeitskräfte ab, die entlassen wurden. Gleichzeitig ging man nämlich damals dazu über, die Masse der unter Tage, teilweise vor Kohle, arbeitenden Frauen und Mädchen aus den Gruben zurückzuziehen und sie nur noch über Tage zu verwenden. Die glücklichen Nutznießer dieser Maßnahme waren vor allem auch viele Tausende Volksdeutscher Rumäninnen, die 1944 und 1945 zwangsweise aus ihrer Heimat verschleppt worden waren, nachdem man ihnen zu Hause gesagt hatte, sie müßten lediglich einer sechsmonatigen Arbeitspflicht genügen. Es hatte dabei keine Rolle gespielt, ob es junge Mädchen oder Mütter von zwei, drei oder mehr Kindern waren. Diejenigen von ihnen, die den Einsatz in schwerster Bergarbeit, bei der viele Tausende deutscher Kriegsgefangener schwere gesundheitliche Schäden davontrugen, überlebt haben, werden erst seit wenigen Monaten wieder in ihre Heimat entlassen. Allein die Niederschrift ihres Schicksals ergäbe ein Epos von Leiden, deren Grausamkeit selbst in unserer an die Verletzung der elementarsten Gesetze der Menschlichkeit fast schon gewohnten Zeit den Leser erschüttern würde; und es ist doch nur eine Szene aus der Donbass-Sklaverei und diese wiederum nur ein Akt aus der Menschheitstragödie Bolschewismus.

Chronischer Materialmangel

Nur ein geringer Teil der Kriegsgefangenen wurde über Tage in erster Linie bei Bauarbeiten verwendet, um Kohlenschächte, die während des Krieges zerstört worden waren, wiederherzustellen und Schulen für den Bergarbeiternachwuchs sowie Wohnhäuser für die Bergarbeiter zu errichten. Für die Durchführung dieser Bauarbeiten ist folgendes charakteristisch: Der Materialmangel ist chronisch, daher wird weitgehend Material von unzulänglicher Beschaffenheit verwendet. Von dem knappen Material werden außerdem beträchtliche Mengen gestohlen. Sehr groß ist auch der Mangel an arbeits- und verantwortungsfreudigen Fachkräften. Allgemein herrscht daher Pfuscharbeit vor. Die Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit der unteren ausführenden Organe, insbesondere der Natschalniks und Prärabs verschlimmern diese Mißwirtschaft noch mehr. Jeder Kostenvoranschlag wird erheblich überschritten. Fehlende Mittel für ein Bauvorhaben beschafft man sich dadurch, daß man vorzeitig mehrere andere Bauten in Angriff nimmt, denn die Mittel, die für ein Bauvorhaben veranschlagt und genehmigt wurden, werden freigegeben, sobald mit dem Bau begonnen wird.

Das Los der Mehrzahl der deutschen Kriegsgefangenen war jedoch, unter Tage zu arbeiten. Wie sieht diese Arbeit aus? Die Primitivität und Unzulänglichkeit der technischen Ausrüstung der Betriebe ist unvorstellbar. Deutsche Bergleute, die sie erlebt haben, waren einmütig der Ansicht, daß diese Schächte mit nur wenigen Ausnahmen von einer deutschen Bergbehörde sofort geschlossen werden würden. Eine normale Einfahrt ist nur in den wenigsten Fällen möglich, Fördertürme sind Raritäten. Bestenfalls fahren die Bergleute mit den Förderwagen von und zur Arbeit, was aber meist verboten ist. In der Regel muß man also in den Schacht gehen, genau gesagt, muß man gleiten, rutschen, stolpern und klettern in Schlamm und Wasser, über Geröll und halsbrecherische Strick- und Holzleitern, die nur selten noch die volle Garnitur ihrer Sprossen besitzen. Und das bei ungenügender Beleuchtung und mitunter auch völliger Dunkelheit; denn Grubenlampen sind noch knapper als der Brennstoff dafür. Sie werden daher bei Schichtwechsel erst durch die ablösende Schicht, die also ohne Lampen einsteigen muß, übernommen. Die Beleuchtung durch fest angebrachte elektrische Glühbirnen ist gänzlich ungenügend, streckenweise fehlt sie überhaupt, und zwar nicht so sehr wegen Stromknappheit als vielmehr aus Mangel an Glühbirnen, der so kraß ist, daß selbst in großenSchächten wichtige Betriebspunkte tagelang im Dunkeln liegen. Der Weg vom Schachteingang bis zur Arbeitsstelle beansprucht mitunter bis zu einer Stunde. Diese An- und Abfahrtszeit wird nicht etwa in die achtstündige Arbeitszeit eingerechnet. Dazu kommen noch die 4 bis 5 km langen Anmarschwege vom Lager zum Schacht, die – da Straßen oder auch nur Wege in dem steppenartigen Hügelgelände fehlen – in den Schlammperioden des Frühlings und Herbstes allein schon strapaziös sind.

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