Wenn man sie wiedersieht, verblassen alle andern. Der Kopf, die Figur, die Bewegungen – es ist alles edel, geprägt, vollendet an diesem Kind einfacher schwedischer Eltern. Die Schönheit ihres Aussehens, die vergeistigte Kunst ihres Spiels sind auf der Leinwand ohne Beispiel und Nachfolge. Greta Garbo hat sich mit darum verdient gemacht, daß der Film zum Kunstwerk erhoben wurde Und auch ein so unbedeutender, wenn auch amüsanter Streifen wie „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ (Twofaced woman“, nach Berlin jetzt in den Urania-Lichtspielen und im Capitol. Hamburg) wird durch diese Schauspielerin geadelt. In ihrer Erscheinung der Typ des gefährdeten Menschen von heute, kann sie unnachahmlich seelische Reaktionen durch fast unmerkliche Nuancen, manchmal nur ein nervöses Zucken andeuten. Das Überraschende ist, daß wir in diesem Film zum erstenmal neben der verhaltenen, vergeistigen, beseelten, rätselhaften „Göttlichen“ als ihre Zwillingsschwester eine irdische, faszinierende, verführerische, vitale Garbo sehen, die auch in dieser Rolle in jeder Situation kunstvollen noblen Stil bewahrt. Eine Schauspielerin – par excellence. (Unser weiblicher Filmnachwuchs sollte sich diesen Film zehnmal ansehen Neben ihr als Partner, der zweifellos einen amerikanischen Idealtyp verkörpert, ein businessman, kein gut aussehender, aber gutmütig, scharmant und fast ganz ohne Innenleben. Melvyn Douglas, spielt ihn mit Verve. Die Regie dieses kessen Juxes aus der Hollywooder Konfektion hatte George Cuoor.

Ernst und aufwühlend vom Stoff her Ist der Film „Notlandung“ („Broken Journey“, im Esplanade-Theater, Hamburg), der in dokumentarischer Realistik (Regie: Michael Charlton) von der Bruchlandung eines Verkehrsflugzeuges auf dem Hochplateau eines Bergmassivs berichtet. Eine zufällig zusammengewürfelte kleine Gruppe sehr verschiedener Menschen ist plötzlich angesichts des Todes aufeinander angewiesen. Der Film läßt die Kette der grausamen Zwischenfälle bis zur Rettung der Überlebenden nicht abreißen und macht mitFeingefühl die nervösen inneren Spannungen unter den unfreiwillig einander Nahegerückten deutlich. Wie wir es in Luftschutzkellern unter zerstörten Häusern und an unzähligen anderen Stellen des Krieges erlebten, sind es mit Mut und Besonnenheitwenige, die in solchen Situationen nicht nur egoistisch für sich auf Rettung sinnen, sondern sich auch für die Schwachen mit verantwortlich fühlen. Und sie legen keinen Wert darauf, Helden genannt zu werden. Mit Recht (obwohl allzu pathetisch) rufen die Überlebenden (in Großaufnahme) auf, nicht leichtfertig zu vergessen, was wir im Angesicht des Todes lernten: sich für andere verantwortlich zu fühlen und hilfsbereit zu sein. Erika Müller