Hwang Tsu-Yü: „Der blühende Granatapfelbaum; eine einfache Geschichte einer chinesischen Familie.“ Winkler-Verlag, München.

Die mehrtausendjährige Kultur, deren geistige Grundlagen das Leben des chinesischen Volkes gestaltet haben, begann erst sehr spät, ihre allgemeinverbindliche Kraft unter dem Einfluß europäischer Tendenzen einzubüßen. Mit Erstaunen kann der Leser dieser von Hanna Hindbeck aus dem englischen Original übersetzten Familiengeschichte entnehmen, wie zögernd und vorbehaltlich sich die Ablösung der beiden um die Seele Chinas ringenden Prinzipien noch in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts vollzog. Man behält den Eindruck zurück, daß auch beschleunigte äußere Umwälzungen noch eine Fülle von Problemen übriglassen werden, die unter der Oberfläche jeder denkbaren Neuordnung der Daseinsbedingungen einer Lösung narren, die nur allmählich und behutsam zu vollziehen sein wird. Denn so sehr dieses merkwürdige Volk auch an Unruhe, Veränderung und Elend gewöhnt ist – seine kulturellen Kräfte gehörten bisher zu seiner unveräußerlichen Substanz, und diese war nicht nur ihres Alters wegen ehrwürdig,

Ernst Cordes: „Die Lotoslaterne; Erlebnisse in China.“ Rowohlt-Verlag.

Hier berichtet ein Deutscher – nicht nur ein flüchtiger Beobachter, sondern ein Kenner von Grund auf – über das heutige China, den Schauplatz ebenso tiefgreifender Gärungen wie einer Beharrungskraft, die unter solchen Umständen wohl ohne Vergleich ist. Besonders interessante Aufschlüsse gibt Cordes über die Charaktergegensätze zwischen dem nördlichen und dem südlichen Volksschlag des „Reiches der Mitte“. Eingestreute historische Rückblicke helfen manches für den Europäer Rätselhafte der Gegenwart verständlich machen.

Ermilo Abreu Cömez „Geschichten von den Maja-Indianern“. Aufbau-Verlag, Berlin 1948.

Warme Menschlichkeit, erstaunliche Unverdorbenheit und kaum verborgene Gemütstiefe eines Volksstammes, der sich durch unmenschliche Drangsale hindurch noch immer, wenn auch verkümmert, erhalten hat, geben diesen Erzählungen ihren Wert. Ihr Verfasser, einer der namhaftesten Schriftsteller Mexikos, hat sich die Sache der Majas zu eigen gemacht und wirbt für sie mit der ganzen Eindringlichkeit seiner Kunst, die mehr durch zarte Andeutung als durch realistische Anschaulichkeit wirkt, Ludwig Renn übertrug diese eigenartigen Paraphrasen über ein melancholisches Thema aus dem Spanischen. Jürgen Jürgensen „Dunkler Kongo“. Hans Dulk-Verlag, Hamburg.

Ein Däne rollt buntfarbige Bilder auf aus den ersten Jahren (oder Jahrzehnten) der belgischen Kongo-Kolonie. Das Leben der Afrika-Pioniere, der Soldaten, Verwaltungsbeamten, Kaufleute, Ingenieure und Unternehmer wird mit beherzter Frische und manchem humorigen Einschlag illustriert. Aber auch die Welt der Eingeborenen erstellten diesen Schilderungen unmittelbarer, als man es sonst von Büchern dieser Art gewohnt ist. Viel rührend Amüsantes, viel Erschreckendes und Versöhnendes begegnet dem Leser dabei, der obendrein dem Übersetzer Herman Kiy die einfühlende und plastisch formende Sprache danken wird.