Neben den ostzonalen „Perlon“ -Strümpfen, die ohne Zweifel das Hauptinteresse erweckten, fanden auf der vorjährigen Stockholmer Messe handgewebte Modellkleider eines Lübecker Modehauses die aufmerksame Beachtung des internationalen Messepublikums. Das Lübecker Haus wird seine neuesten Modeschöpfungen nun auch auf der „Deutschen Industrieausstellung“ in New York zeigen, die im größten Hochhauskomplex der Welt, dem Rockefeller Center, vom 9. bis zum 24. April stattfindet.

Bei den Textilien werden die Ausstellungsbesucher durch Vermittlung des Lübecker Modehauses wohl erstmalig eine Möglichkeit haben, die Verwendung handgewebter Wollstoffe vom Morgenrock bis zum eleganten Abendkleid zu beachten. In Westdeutschland propagierten in den letzten Monaten verschiedene Modeschauen diesen Gedanken, gewannen ihm viele deutsche und ausländische Freunde und machten ihn exportreif. Die modischen Wollstoffe zu diesen Modellen entstammen der Handweberei Harsing. Es ist eigentlich nur einem Zufall zu danken, daß das Unternehmen, 1938 in Berlin gegründet, eines Tages in Hamburg-Bergedorf sich ansiedelte. Hier stehen jetzt in großen Fabriksälen Maschinen zum Herstellen der sogenannten „Kette“, Spulmaschinen für den „Schuß“ in den Schiffchen und viele Handwebstühle, an denen flinke Weberinnen die uralte Tradition des Webens anwenden undunter ihren fleißigen Händen entzückende Wollstoffe entstehen lassen.

Der Webstuhl gehört zu den ältesten maschinellenEinrichtungen der Menschheit. Wahrscheinlich wurde er schon in vorgeschichtlicher Zeit benutzt. Heute wird die Handweberei wohl nur noch in Schleswig-Holstein und im Spreewald gepflegt, während die Ausweisung der Deutschen aus Schlesien die dortige Handweberei zum Erliegen brachte. Das Verdienst der Handweberei in Hamburg-Bergedorf ist es aber, dieser alten mensclichen Kunst eine wertvolle modische Linie und damit eine nicht zu unterschätzende Exportbedeutung gegeben zu haben. ww.