Von Rolf Italiaunder

Der Dichter und Maler Peter Martin Lampel soll auf Einladung der Stadt Hamburg nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten hier seine neue Heimat finden.

Den Hafen von New York durchstreift seit Monaten ein Mann, der jedes nach Europa, speziell nach Deutschland fahrende Schiff mit gierigen Augen ansieht. Es ist der deutsche Dichter und Maler Peter Martin Lampel. Er wartet nun schon seit über zehn Jahren darauf, nach Deutschland zurückkehren zu können. Vielleicht bringt ihm das neue Jahr die Erfüllung seines Traumes. Die Papiere sind längst eingereicht, aber die Bürokratie ist mächtig in aller Welt ...

Peter Martin Lampel – das war einmal ein höchst lebendiger Name im Literatur- und Theaterleben zwischen erstem Weltkrieg und drittem Reich. Dabei ließ Lampel schon während des ersten Krieges von sich hören. Er war Offizier bei der Kriegsfliegerei und veröffentlichte unter anderem in der Reclamschen Universal-Bibliothek viel gelesene Bücher über „Bombenflieger“ und „Heeres-Zeppeline im Angriff“. Nachdem er die Uniform ausgezogen hatte, versuchte Lampel sich in verschiedenen kaufmännischen Berufen, später als Erzieher. Besonders interessierten ihn die Probleme der Jugend. Er wurde Jugendhelfer, Jugendrichter, Jugend-Organisator. Er begann, die Jugend zu malen, über sie zu berichten, über sie zu polemisieren Es war vor allem die Fürsorge-Jugend, der er sich annahm. Sein bei Kiepenheuer erschienenes Buch Jungens in Not“ erregte Aufsehen.

In die vorderste Linie der Zeitdramatiker trat Peter Martin Lampel durch sein Stück „Revolte im Erziehungshaus“, das an jeder deutschen Bühne gespielt wurde und von hier aus seinen Siegeszug durch alle europäischen Länder antrat. Auch das nächste Theaterstück wurde ein Sensationserfolg: „Giftgas über Berlin“. Zusammen mit der Dreigroschen-Oper und dem Film „Im Westen nichts Neues“ war dieses Stück ein Dokument damaliger fortschrittlicher Gesinnung. Im unruhigen Winter 1932/33 wurde ein neues Drama von Lampel „Alarm im Arbeitslager“ von beinahe sämtlichen deutschen Bühnen angenommen. Da traf den Dichter der Bannstrahl des Dritten Reiches, und sein gesamtes bisheriges Werk wurde vor der Berliner Universität auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Lampel war ein Geächteter und es blieb ihm nichts anderes übrig als der Weg ins Exil. Wie manch anderer, wurde auch Lampel in diesen Jahren durch den größten Teil der Welt gewirbelt. Er schlug sich als Journalist, Schriftsteller und vor allem als Maler und Zeichner durch. In der Schweiz schrieb er zuerst eine Komödie „Um die letzten Erben“ sowie ein Schauspiel „Mann ohne Paß“. Von der Schweiz zog er nach dem Balkan. Es entstand: „Maler, Esel und Abenteurer“. Vom Balkan ging er nach Ostindien. Er lebte hier am liebsten unter den Eingeborenen. In die großen Hotels ging er nur dann, wenn sich Ausstellungsmöglichkeiten boten oder wenn Porträtaufträge winkten.

In Indien schrieb Lampel ein Theaterstück über Meßmer „Grotesken des Ruhmes“, einen Roman und Theaterstück „Einbruch ins Paradies“, eine lange heitere Novelle „Der Sohn des Radja-Gouverneurs“ und ein neues Drama „Gespenster vor dem neuen Tag“. In Australien endlich, während er auf seine Einschiffung nach Amerika wartete, schrieb der Dichter seine leidenschaftdurchglühte Biographie „Der Weg zum Exil“.

Auch in New York, wo er heute noch lebt, ließ Lampel nicht davon ab, in Wort und Bild fortschrittlichen Geist zu bezeugen. Es entstand jenes Theaterstück „Flucht vor uns selber“, das seither von verschiedenen deutschen Bühnen angenommen wurde. Weiterhin die Dramen „Diktators letzter Tag“ und „Aufruhr um Flüchtlinge“ und der Fünfakter „Das tausendjährige Reich“ (oder „Deutschlands Hitler vor 400 Jahren“, nämlich 1533 bis 1535 in Münster). Das Deutschtum in Amerika während des zweiten Weltkrieges ist das Thema eines Werkes, das Lampel sowohl als Roman wie als Bühnenstück und Hörspiel gestaltete, „Familie Schulz in Grokville“. Vielleicht sein spannendstes Prosawerk aus dieser Zeit ist sein (von ihm selbst illustrierter) Reisebericht über Ostindien.