Kohlenmangel führte die Gaswerke schon nach dem ersten Weltkrieg zum Ausbau von Einrichtungen für die Wassergaserzeugung und die völlige Vergasung. Kohleverschlechterung führte zu Versuchen für die Verarbeitung minderwertigeren Brennstoffe. Trotz aller Vervollkommnungen in der Erzeugungstechnik setzte sich aber dann wieder die Verwendung von Qualitätskohle durch.

Von der verfügbaren Energie der Kohle wird auch heute nur erst etwa die Hälfte gewissen Veredelungsprozessen zugeführt: zu zwei Dritteln in Kokereien mich Gaswerken, der Rest in Elektrizitätswerken. Die derzeitige Kohlenknappheit und die auf lange Jahre oder sogar für die Dauer zu erwartende Verknappung speziell bei hochwertiger (Koks-) Kohle läßt es geboten erscheinen, daß die Steinkohle insgesamt nur noch als Rohstoff und nicht mehr als Brennstoff angesehen und verwandt wird.

Von diesen Überlegungen ausgehend, hat der technische Direktor der Hamburger Gaswerke, Dipl.-Ing. F. Stief, ein Verfahren entwickelt, das es ermöglichen soll, künftig in industriellen Anlagen keine hochwertigen Steinkohlen mehr zu verfeuern, sondern nur noch entgaste Brennstoffe, denen also zuvor die wertvollen Bestandteile, Gase, Teere, Öle and sonstige chemische Werkstoffe, entzogen sind. Auch als Hausbrand soll nur der entgaste Brennstoff, „Kraftkoks“ genannt, benutzt werden.

Um das „Stief-Verfahren“ im Großen zu erproben, hat der Aufsichtsrat der Hamburger Gaswerke 1 Mill. DM für die Errichtung einer Versuchsanlage ausgeworfen. Sie wird noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Die verschiedenen Kohlensorten werden Temperaturen von 1300 Grad Celsius unterworfen, Warna die Versuchsergebnisse festliegen, sollen entsprechende Großanlagen gebaut werden. oka.