Mörderisch sind unsere Wohnverhältnisse, sagte eine Schulleiterin, als sie den Eltern darlegte, daß ihre Kinder um der Bildung willen Ruhe brauchten. Unter diesen Wohnverhältnissen, für die kennzeichnend ist, daß nur jede fünfte Familie einen eigenen Küchenraum hat, leidet jedermann. Und jedermann macht sich seine Gedanken, was er möchte und was zu tun sei.

In Hamburg hat ein Amt öffentlich nach diesen Gedanken gefragt. Die Antworten waren eine eindeutige Absage an die Großstadt alten Stils, an den Stockwerksbau. Diese Absage hat einige Vorwürfe verursacht; aber nicht gegen die Planer, die den Wandel der Lebensformen übersehen, sondern gegen diejenigen, die sich zum Vertreter der geäußerten Ansichten machen! Von anderen Folgerungen hörte man nichts. Das Hamburger Ergebnis. der Volksbefragung (vgl. „Die Zeit“ vorn-26. 8. 1948) wird nun jüngst durch Zahlen einer Umfrage, die das Bielefelder Institut für Marktforschung nach Wohnverhältnissen und Wohnwünschen hielt, bestätigt.

Für Siedlungshäuser und gemischte Bauweise mit vorwiegend Siedlungshäusern waren 45,8 v. H. Dieser Anteil ist niedriger als in Hamburg. weil die siedlungspolitische Ansicht (und nicht der eigene Wunsch) erfragt wurde, und weil die französische Zone einbezogen wurde, wo eine gleiche Wohnungsnot wie in Schleswig-Holstein. InHamburg und im Industriegebiet nicht besteht. Oder wie ist es sonst zu verstehen, daß v. H. der Landarbeiter und 44,8 v. H. der Bauten für Wohnblocks waren? Sollte sich darin nicht nur der Wunsch ausdrücken, die Vertriebenen. die aufs Land Geflüchteten loszuwerden. in die Stadt abzuschieben?

Zum eigenen Heim mit Garten bekannten sich 44‚8 v. H. (Arbeiter 48,5, Angestellte, Beamte 47,8, freie Berufe 49,2 v. H.). Diese Einstellung hat man in Hamburg als „Kohlkopfromanrik“ lächerlich zu machen versucht, obwohl sich in ihr eine nüchterne Abwägung der Möglichkeiten kundtut. Der einfache Mann weiß, daß man einfach und billig bauen muß (Landarbeiter 92,5 v. H., Arbeiter 82,5 H.); weniger einsichtsvoll war man in den freien Berufen, denn bei ihnen sehen 50‚5 v. H. noch nicht ein, daß „friedensmäßig“ vorläufig noch lange nicht wieder gebaut werden kann, wenn schnell Wohnraum geschaffen werden soll.

Die Umfrage hat, ebenso wie in Hamburg, bewiesen, daß in der Wohnform und in der Rechtsform das Eigene stärker als bisher berückrichtige werden muß. Für Sparen der Eigenmittel halten nur 17,7 v. H. die Bausparkasse für geeignet, 38,6 v. H. sprechen sich gegen sie aus. Man wird den Sparwillen, den volkswirtschaftlich so wichtigen Verbrauchsverzicht, nur dadurch fordern können, daß man dem mißtrauisch gewordenen Sparer ein Faustpfand gibt. Das eigene Heim und die Tilgung der Fremdgelder sind der rechte Weg, der statt des Ausbaus von Kontorhinsein und Läden bevorzugt werden sollte.

sh.