Meister Rang sprach: „Der Edle ist auf neunerlei bedacht: beim Sehen ist er auf Klarheit bedacht, beim Hören auf Deutlichkeit, in den Mienen auf Milde, in der Haltung auf Höflichkeit, in Worten auf Zuverlässigkeit, in Geschäften auf Gewissenhaftigkeit, in Zweifeln auf Fragen, in Zorn auf die entstehenden Schwierigkeiten, sieht er Gewinn, ist er auf Rechte bedacht.“

Dsi Dschang fragte; „Wie muß ein Gebildeter sein, daß man ihn durchdringend nennen kann?“

Der Meister sprach: „Was nennst du denn durchdringend?“

Dsi Dschang antwortete: „Im Lande berühmt sein und zu Hause berühmt sein.“

Der Meister sprach: „Das ist berühmt, aber nicht durchdringend. Wer durchdringend ist, der ist von Grund aus gerade und liebt das Rechte. Er prüft die Worte und betrachtet die Mienen. Er ist ängstlich besorgt, den Menschen zu dienen. Der ist im Lande durchdringend und zu Hause durchdringend. Wer aber berühmt ist, der zeigt in seinen Mienen Güte, aber er handelt ihr zuwider. Er beharrt bedenkenlos in seiner Art. Der ist im Lande berühmt und zu Hause berühmt.“

Meister Kung sprach: „Nützlich sind dreierlei Freunde, und schädlich sind dreierlei Freunde. Freundschaft mit Aufrechten, Freundschaft mit Zuverlässigen,’ Freundschaft mit Erfahrenen ist nützlich. Freundschaft mit Schmeichlern, Freundschaft mit Scheinheiligen und Freundschaft mit Zungenfertigen ist schädlich.“

Aus: ‚,Lun-Yü, Gespräche des Konfuzius“. Aus dem Chinesischen von Irmgard Grimm. Robert Mölich-Verlag, Hamburg.