Kaum ist über den Fall Cahane Gras gewachsen, da gibt es bereits einen Fall Cohrssen. Während Mr. Cahane aber in einem Interview mißverstanden worden war, also die ihm unterschobenen „Enthüllungen“ über angebliche riesige Devisenschiebungen deutscher Exporteure gar nicht gemacht hatte, liegt der Fall bei Mr. Cohrssen insofern eindeutig, als seine „Enthüllungen“ über den Frankfurter Rundfunk gegangen sind. Es handelt sich da, angeblich, um üble Geschäfte deutscher Fabrikanten mit billig (vor dem 20. Juni) eingekauften Wolle, die jene verbrecherischen Profitmacher gehortet haben sollen, anstatt sie zu Jedermann-Ware zu verarbeiten.

In Wirklichkeit war es freilich so, daß über die betreffenden Mengen Rohwolle fast ein halbes Jahr lang gar nicht disponiert werden konnte, weil nämlich die JEIA nachträglich höhere Preisforderungen gestellt hatte, über die erst entschieden werden mußte. Nun ist es also so weit, die Wolle wird verarbeitet, und die Kontrolle darüber, daß die Preise der daraus hergestellten Jedermann-Ware angemessen sind, wird von den Ländern ausgeübt, in deren Hoheitsbereich die Verarbeitung erfolgt. Kein Grund zur Beunruhigung für Mr. Cohrssen, kein Anlaß zu Rundfunksensationen also: wenn doch noch bei dem oder jenen Einzelposten eine Unregelmäßigkeit vorgekommen sein sollte oder vermutet werden müßte, steht auch den Herren der JEIA der Weg zu den Frankfurter Instanzen offen, um sich zu informieren oder um auf eine Untersuchung des Sachverhalts zu dringen, Das wäre doch wohl der richtige Weg. Es muß nicht immer lauthals „Skandal! Skandal!“ gerufen werden; wir finden, daß dergleichen ganz und gar nicht zu dem guten demokratischen Stil gehört, den wir in unserem öffentlichen Leben gern geltend wünschten, n.f.