Noch nie hat die Labour-Regierung in einer wesentlichen Frage eine so große Schlappe erlitten wie bei der Abstimmung über die Palästinapolitik. Und wenn nicht Attlee in letzter Sekunde erklärt hätte, daß die Abstimmung gleichzeitig als prinzipielle Kundgebung für oder gegen seine eigene Politik gewertet würde, – womit er die Debatte aus dem Bereich der persönlichen Angriffe gegen Außenminister Berta heraushob – hätte die Regierung vermutlich eine komplette Niederlage erlitten.

Selten noch ist im englischen Parlament ein Minister von allen politischen Parteien in so schonungsloser Weise persönlich angegriffen worden: „Wenn ein einzelner Mann verantwortlich ist für das Zunehmen des Faschismus auf der einen und des Kommunismus auf der anderen Seite, so ist es der Mann, der die britische Politik in den letzten drei Jahren gegenüber Israel geleitet hat“, erklärte der Sozialist Crossmann. Und Churchill, der Bevins Fehler als unvorstellbar „kraß und plump“ bezeichnete, und als die Ursache dafür, daß England heute als der erbittertste Feind Israels gelte, fügte hinzu: „Das ist nicht nur geistiger Trägheit oder dem Mangel an Vorstellungsvermögen der zuständigen Minister zuzuschreiben, sondern, wie ich fürchte, der starken Voreingenommenheit und dem Vorurteil des Außenministers.“

Zweifellos ist Bevins Palästinapolitik ungeschickt und schwerfällig gewesen; und eben das ist es, was sie in den Augen feiner Landsleute so besonders sträflich erscheinen läßt. Bevin, der, wie Churchill unterstellt, auf den Sieg der arabischen Liga setzte, hat die Kräfteentwicklung im Vorderen Orient falsch eingeschätzt und es auch, als sein Irrtum evident wurde, nicht fertiggebracht, einzulenken und den Realitäten Rechnung zu tragen. Ja, er hat noch nicht einmal im Verlauf der Palästinadebatte – was deutlich die allgemeine Stimmung gegen ihn zu offener Feindseligkeit verdichtete – zugegeben, daß „er Fehler gemacht habe; er hat vielmehr einschließlich der unseren Aufklärungsflüge alle Maßnahmen unnachgiebig verteidigt. Wahrscheinlich wäre das Resultat der Abstimmung anders ausgefallen, wenn Bevin das Parlament durch ein Eingeständnis seiner Fehler entwaffnet und eine konstruktive Politik für die Zukunft verkündet hätte.

Ebenso typisch wie die Reaktion des Unterhauses auf die Ausführungen seines uneinsichtigen Außenministers ist letzten Endes aber auch das Fazit der ganzen Episode: man findet, daß Churchill in seinen Angriffen zu weit gegangen ist und beginnt Mitleid mit Bevin zu haben. Dff.