Das neue Buch von Robert Dvorak „Technik, Macht und Tod“ (Claaßen und Goverts, Hamburg 1948, 89 Seiten), läßt uns Menschen, die wir der Katastrophe des zweiten Weltkriegs entronnen sind, schon im Titel aufhorchen. Es faßt die ganze Breite und Tiefe der Erscheinung und der Problematik unserer modernen Technik, über die in letzter Zeit zwar oft, aber noch nie so unheimlich klar und entschieden geschrieben worden ist, wie unter einer äußerst scharfen und plastischen Lupe zusammen und zeichnet ein für jedermann erkennbares Menetekel auf die düstere Lebenswand unserer Zeit. So ist dies von Flammenzeichen durchloderte Buch eins der notwendigsten der Gegenwart, das wir alle ohne Ausnahme lesen müssen, da es jeden einzelnen in seiner Existenz betrifft.

Mit den Mitteln großer sprachlicher Präzission und einer gedanklichen Kraft, die aus abstrakten Bereichen immer wieder ins Anschauliche vorstößt, demaskiert Robert Dvorak die Technik, die mit dem Nimbus des Fortschritts umkleidet, so gern als das Summum bonum et utile unserer Zeit angesehen wird, mit leidenschaftlicher Eindringlichkeit; er entlarvt sie als den gefährlichsten Scharlatan und die furchtbare Verderberin der Welt. In acht Kapiteln zeigt er ihre dämonische Natur auf, ihre anarchische Kraft und ihren dynamischen Nihilismus. Er enthüllt uns darin ebenso ihre Tendenz zur totalen Macht, ihren antihumanen Trieb, ihre Todesentelechie und massive Todespotenz. „Ihre Todeskraft aber“, so heißt es, „hat Konzentrationen erreicht, welche die massivsten Wirkungen in das zeitliche Minimum eines Blitzes zu bannen suchen, die in einer unheimlichen und grauenvoll beklemmenden Gleichzeitigkeit Tausende und Zehntausende, demnächst vielleicht Hunderttausende von Menschen treffen können.“ „Gerade die Technik, die dem Menschen wie keine andere seiner Tätigkeiten das Bewußtsein gab, Schöpfer zu sein, Schöpfer in einem Sinne, der an metaphysischem Trotz genährt war, schleudert ihn um so tiefer in kreatürliche Abhängigkeit und kreatürliches Ausgeliefertsein zurück.“

In dem erregenden, von höchster Spannung erfüllten Kapitel „Die Verantwortung der Wissenschaft“, das die nihilistische Grundhaltung der modernen Forschung aufzeigt, wird mit schmetternder Wucht die fürchterlichste Anklage erhoben, die jemals vom humanen Geiste gegen die promoteische Gesinnung eines ganzen Standes erhoben werden konnte und erhoben worden ist. Hier werden die gemeinten Wissenschaftler als die Handlanger, ja als die geheimen Meister der Vernichtung, als die Demiurgen des Selbstvernichtungstriebes gekennzeichnet, und für alle Zerstörungen kommender Kriege, die ja die Möglichkeit der Vernichtung des ganzen Planeten heraufbeschwören, moralisch verantwortlich gemacht.

Das neue Buch Dvoraks ist ein Dokument des Geistes und der Menschlichkeit von Weltbedeutung. In seiner unerbittlichen Entschiedenheit im Begreifen eines aktuellen Problems von größter Tragweite, durch seine kristallklare Sprache und sein abendländisches Verantwortungsgefühl ragt es über die Grenze des Tages und Landes weit hinaus. Es ist in seiner humanen Absicht ein Geschenk an den Menschen, eins von den wenigen echten und wertvollen, so daß bedauert werden muß, daß der Verlag nicht mehr Sorgfalt auf die Ausstattung verwandt hat. Alfons Hoffmann