Wirklich geschlagen?? Das denken zwar Dr. Biron, Dr. Sack und Dr. Kanter, das denkt der Präsident des Reichskriegsgerichts, General Hertz, das denken General Beck und alle auf der Seite Fritschs Stehenden, die davon erfahren. Das denkt vor allem auch der Verteidiger, der die glückhafte Entdeckung im Adreßbuch machte. Einer aber denkt es nicht.

Am späten Nachmittag, unmittelbar, nachdem er über die Vernehmung Frischs unterrichtet ist, eilt Goltz, der schnell noch einen großen Rosenstrauß besorgt, in die Wohnung von Fritsch Dort führt ihn dessen Adjutant, der Hauptmann von Both, ins Zimmer. Ohne sich die Zeit zu einer korrekten Begrüßung zu nehmen, bricht Goltz in die Worte aus: „Herr Generaloberst, Sie können Viktoria schießen lassen, der wirkliche Fritsch ist gefunden, der Fall ist restlos aufgeklärt!“

Fritsch schweigt einen Moment, sein Mund preßt sich etwas zusammen. Dann sagt er langsam und sehr ernst: „Auch das wird dem Führer nicht genügen. Er will etwas derartiges nicht glauben.“

Goltz erwidert betroffen, daß dies Hitler doch nun wirklich nicht mehr möglich sei. Aber Fritsch, trotzdem bei ihm jetzt Freude und Genugtuung die Oberhand gewinnen, bleibt bei seiner Skepsis-

Später am Abend, als Goltz wieder fort ist, kommt Hoßbach zu Fritsch und wird von Both mit den Worten empfangen: „Wir haben ihn, wir haben ihn!“ Both zeigt ihm im Telefonbuch, wo er selbst noch einmal nachgesucht hat, den Namen Frisch und erzählt ihm die ganze Geschichte. Oberst Hoßbach rechnet sofort mit einem Gegenschlag der Gestapo und befürchtet ein Verschwinden des unersetzlichen Zeugen.

Er, spricht noch in der Nacht mit Admiral Canaris hierüber und verlangt, daß die Abwehr Mittel und Wege finde, Frisch in eine Art Schutzhaft zu nehmen, um der Gestapo zuvorzukommen.

Canaris aber sieht keine Möglichkeit hierzu und meint im übrigen zu Hoßbach: „Diesmal sind Sie wirklich zu mißtrauisch.“ Auch Geheimrat Rosenberger hat, nachdem er von Dr. Sack über die Vernehmung Frisch-unterrichtet worden ist, dieselbe Befürchtung. Ebenso Goltz. Noch weiß die Gestapo nichts von dem schweren Schlag, der ihr bevorsteht, aber sie wird bald im Bilde sein, denn der Befehl, die Protokolle auszutauschen, läßt sich hierbei nicht umgehen. Rosenberger setzt sich ebenfalls mit Canaris in Verbindung und beide gemeinsam mit dem Reichsjustizminister.