Generalissimus Stalin hat in einem Interview erklärt, er sei bereit, die Verkündung einer sowjetisch-amerikanischen Erklärung zu erwägen, in der versichert werde, daß die beiden Regierungen nicht die Absicht hätten, gegeneinander zum Krieg zu schreiten. Die Sowjetregierung würde auch die Berliner Blockade aufheben; Voraussetzung sei allerdings daß gleichzeitig die Westmächte, ihre Gegenmaßnahmen rückgängig machten, bevpr eine Außenministerkonferenz zusammenträte. Die Bildung der geplanten Westdeutschen Regierung dürfe in dieser Zeit nicht verwirklicht werden. 24 Stunden vor Stalins Interview veröffentlichte das Sowjetische Außenministerium eine Erklärung zum Nordatlantikpakt, in der den Westmächten vorgeworfen wurde, sie schlügen eine Politik ein, die „für die friedliebenden Völker eine Bedrohung“ darstelle.

Die sowjetische Regierung hat Norwegen ersucht, zu erklären, welche Haltung zum Atlantikpakt es im Hinblick auf die gemeinsame Grenze einnehme. „Die sowjetische Regierung wünscht davon unterrichtet zu werden, ob die Presseberichte über einen Anschluß Norwegens an den Atlantikpakt der Wahrheit entsprechen und ob die norwegische Regierung irgendwelche Verpflichtungen hinsichtlich der Einrichtung von Flugplätzen oder Marinestützpunkten auf norwegischem Boden übernehmen will“.

Die Prawda brachte in größer Aufmachung Berichte aus Helsinki über ein angebliches Aufleben „faschistischer Organisationen“.

Die Sowjetunion hat zusammen mit ihren osteuropäischen Partnern, mit Ausnahme von Jugoslawien, einen „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ ins Leben gerufen. Als Grund dafür wurde angegeben, daß diese Länder sich nicht dem „Marshall-Plan-Diktat“ unterwerfen wollten.

Zwischen Rumänien und Polen wurde ein Freundschafts- und Beistandspakt unterzeichnet. Bei der Unterzeichnung des Paktes sagte der rumänische Ministerpräsident Groza, Rumänienund Polen würden gemeinsam gegen die Gefahr einer deutschen Aggression oder der Aggression eines Staates vorgehen, der mit Deutschland verbündet sei. Als den Herd der Drohung bezeichnete er Westdeutschland.

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In Washington und in London wurde das Stalin-Interview mit Reserve aufgenommen. Man betrachte es als einen neuen Versuch der Sowjets, die Stärkung des Westens aufzuhalten. Der Westen werde sich aber nicht von Worten, sondern von Taten beeinflussen lassen.