Mit einer Betrachtung der Lage in Übersee setzen wir die Analyse der handelspolitischen Situation fort, die in Nr. 4 angelaufen war.

In Argentinien wurde jüngst an maßgblicher Stelle erklärt, man denke dort nicht daran, das staatliche Handelsförderungsinstitut aufzugeben und zum freien Handel zurückzukehren; man werde das Außenhandelsmonopol vielmehr ausbauen. Sprüche wie: „Argentinien besitzt die beste Währung, nämlich die Nahrungsmittelproduktion“, gemahnen uns allerdings auffallend an Phrasen, die wir nach 1933 bis zum Überdruß gehört haben. Darum wundert es uns nicht, wenn im übrigen die argentinische Handelspolitik eine ähnlich autarkistische Richtung einhält. Die weitgehende Industrialisierung des Landes wirkt jedenfalls entsprechend.

Dieser Industrieausbau spielt auch in dem vom Inflationsfieber geschüttelten Brasilien eine entscheidende Rolle. Der Wert der Industrieproduktion ist dort von 750 Mill. $ 1939 auf 1400 Mill. 1942 und 2800 Mill. $ 1945, die Zahl der Fabriken von 52 000 auf über 100 000 gestiegen.

In Mittelamerika, wo man sich auch heute noch in erster Linie auf Agrarerzeugung konzentriert, sehen die Verhältnisse günstiger aus, insbesondere für den Absatz vor dem Kriege gut eingeführter deutscher Waren. Anders als in Südamerika hält sich hier die Industrialisierung in durchaus bescheidenen Grenzen.

Den beispiellosen Aufschwung der ’Fertigwarenfabrikation in den Vereinigten Staaten mögen einige Zahlen beleuchten. 1937 betrug die Ausfuhr von industriellen Fertigwaren aus den Vereinigten Staaten 4,1 Mrd. Goldmark gegenüber 4,9 Mrd. aus Deutschland. 1947 hätte sie bei Annahme gleichmäßiger Erhöhung entsprechend der Steigerung der amerikanischen Ausfuhrpreise von 100 im Jahre 1937 auf 185 im Jahre 1947 7,6 Mrd. Goldmark aus Amerika und 8,9 Mrd. aus Deutschland betragen müssen; tatsächlich belief sie sich auf 21,5 Mrd. aus USA und ist seitdem ständig bis auf Rekordhöhe weiter gewachsen. Wie wenig wir demgegenüber aus Deutschland tatsächlich ausführen durften – eine amtliche Statistik dafür hat 1947 noch nicht bestanden –, haben wir am eigenen Leibe zu spüren bekommen.

Um damit das traurige Verzeichnis der fortschreitenden Industrialisierung zu vervollständigen, hier noch einige Mitteilungen aus anderen Erdteilen.

Britisch-Indien war schon während des ersten Weltkrieges und anschließend mit wachsender Kraft in den Kampf der Weltwirtschaft eingetreten; es hatte 1925 bereits unter Überholung Hollands und Belgiens den fünften Platz in der Rangordnung des Welthandels besetzt. Der Ausbau seiner Industrie hat seitdem nicht aufgehört. So ist es nicht überraschend, wenn man heute z. B. von Plänen zur Erweiterung der Kunststoffindustrie erfährt; beunruhigend erscheint es nur, wenn in der gleichen Meldung von der Absicht der indischen Regierung Mitteilung gemacht wird, „den Zollschutz für die Kunststoffindustrie zu erweitern“.