DIE ZEIT

Das werdende Europa

Die Zahl der internationalen Konferenzen seit 1945 ist groß, die Zahl der Kommuniques nach ihrem Ende desgleichen. Man hat sich daran gewöhnt, daß in der Regel die Konferenzen arm an Ergebnissen und die Kommuniqués arm an Inhalt gewesen sind.

Endlich Flüchtlingszentrale

Eines der wesentlichen Merkmale des heutigen Deutschlands ist die Tatsache, daß jeder vierte Deutsche ein entwurzelter Mensch ist, ein aus seiner Heimat und Gemeinschaft vertriebener Ostflüchtling.

Japan lächelt wieder

Japan lächelt wieder, und Moskau protestiert. Zum erstenmal seit mehr als zwei Jahren haben die amerikanischen Besatzungsbehörden in Nippon erneut in aller Form die Zügel in die Hand genommen.

Sowjetische Spiegelfechtereien

Durch schroffe Kurswechsel, die rasch aufeinander folgen, versucht der Kreml seit einiger Zeit, die Politik der Westmächte zu verwirren.

Zum Fall Fritsch

Die britisch kontrollierte Tageszeitung „Die Welt“ veröffentlicht, da sie weiß, daß wir eine Darstellung des Falles Fritsch bringen, über dasselbe Thema Schilderungen des Generals Roßbach, und behauptet unberechtigterweise, daß er der einzige überlebende Zeuge sei.

Bevin im Kreuzfeuer

Noch nie hat die Labour-Regierung in einer wesentlichen Frage eine so große Schlappe erlitten wie bei der Abstimmung über die Palästinapolitik.

Die Graue Eminenz aus der Ostzone

Der ehemalige Botschafter Rudolf Nadolny befindet sich zur Zeit in Bonn. Da bekannt ist, daß er eine Zeitlang gute Beziehungen zur russischen Besatzungsmacht pflegte, hat seine Anwesenheit zu lebhaften Gerüchten und Kombinationen Anlaß gegeben.

DIE WOCHE

Generalissimus Stalin hat in einem Interview erklärt, er sei bereit, die Verkündung einer sowjetisch-amerikanischen Erklärung zu erwägen, in der versichert werde, daß die beiden Regierungen nicht die Absicht hätten, gegeneinander zum Krieg zu schreiten.

Lucius D. Clay

Dand der Spante! Sambo sehen seit ein paar Tagen ihren Herren noch seltener als sonst; neugierig Besucher dafür arn so mehr.

Oststaat wird abgeblasen

Von unserem Berliner Korrespondenten Dreimal war die „Parteikonferenz“ der SED verschoben worden, ehe sie in der letzten Januarwoche in Berlin nahe der Sektorengrenze im Haus der „Deutschen Wirtschaftskommission“ abgehalten wurde.

Brotpreis: Problem Nr. 1

Wird der Brotpreis nun noch zu halten sein? Gibt es also eine Möglichkeit, die Verteuerung für das Einfuhrgetreide preismäßig „aufzufangen“, derart eine Erhöhung der Lebenshaltungskosten zu vermeiden, und damit der Alternative zu entgehen, entweder den Lebensstandard weiter absinken zu lassen oder aber durch Lohnerhöhungen die eben erst annäherungsweise erreichte Preisstabilität wieder verlieren zu müssen? Das sind die Fragen, die jetzt besorgt diskutiert werden, seitdem die Besatzungsbehörden entschieden haben, daß alle Einfuhren der Kategorie A künftig über den 30-Cents-Kurs abgerechnet werden sollen: zum vollen Weltmarktpreis (plus Fracht) also, anstatt wie bisher zu „gebundenen“ deutschen Inlandspreisen.

Indirektes Theater

Der „Nachholkursus“ des deutschen Theaters führt die moderne Literatur des Auslandes noch immer sehr unmethodisch heran. Nachdem wir den „Sprecher“ als Hauptperson des „indirekten Theaters“ zuerst bei Thornton Wilder (Our town) kennen lernten und inzwischen dank Anouilh und anderen Nachläufern verdaut haben, machte eine späte deutsche Erstaufführung in Wuppertal jetzt auch jenes Stück bekannt, dem Bilder – dem eigenen Zeugnis entsprechend – einen Epoche machenden (übrigens schon vielfach – auch in der Oper – vorgebildeten) technischen Einfall verdankte: „Tarquinius und Lutretia“ von André Obey.

Italiens "Region"

Es scheint, als ob de neueren demokratischen Einrichtungen die Italiener nicht zur Ruhe kommen lassen.

Kulturdiktatur in Bayern

1949 in München: Die Bayerische Staatsoper wußte das Faustballett „Abraxas“ von Werner Egk auf Befehl des Kultusministers vom Spielplan absetzen, ungeachtet aller eindeutigen vertraglichen Abmachungen zwischen Intendanz und Autor, ungeachtet auch der Tatsache, daß das Werk seit seiner Uraufführung im vorigen Sommer fünf ausverkaufte Vorstellungen hatte (nach der fünften wurde es abgestoppt) und ungeachtet ferner der bedeutenden finanziellen Einbuße, die das Theater durch die Absetzung erleidet.

Notizen

Hans Pfitzner wurde der Robert Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1948 zugesprochen. Dr. Hans Georg Fellmann, der auch den Lesern der „Zeit“ bekannte westdeutsche Kunst- und Theaterkritiker, starb am 25.

Peron stürzt Miranda

Der Präsident des argentinischen Wirtschaftsrates, Don Miguel Miranda, mußte zurücktreten, weil seine Außenhandelspolitik gescheitert ist und Argentiniens Agrarerzeugnisse nicht mehr am Weltmarkt abgesetzt werden können.

Spanische Tänze

Die Tänzerin Ilse Meudtner hat eine Vorliebe für die spanischen Tänze: diese Tänze, die aus der Buntheit spanischer Landschaft und südlichen Temperaments entstehen, sind eine nach vielen Seiten schillernde Mischung von erdgebundenem Rhythmus, schwermütiger Liebe und heiterer, fast koboldhafter Satire und Burleske.

Utopie und Mystik

Priestley ist in England geachtet aber keinesfalls als schöpferischer Dramatiker anerkannt. Wie ein Kritiker jüngst feststellte, scheint es Priestley nicht gegeben zu sein, etwas zu schreiben, das seine Größe für die Nachwelt festhält.

Das Epos des weißen Südafrikas

In der Weltpolitik gibt es manchmal Ereignisse von sensationeller Wirkung, die im Grunde nur wie grelle Reichen aus ihrer eigenen tieferen Bedeutung aufgestiegen sind.

Name und Tränen

Von Elia Vittorini veröffentlichte „Die Zeit“ am 8. Januar 1948 den Abschnitt „Und der Chinese?“ seinem Buch „Gespräch in Sizilien“, das jetzt, übersetzt und mit einem Nachwort versehen, von Dr.

Neue Unsterblichkeit

Gegenwart und Abwesenheit waren lange Zeit klare und deutliche Begriffe. Die Helden aus „1001 Nacht“ und aus den Ritterromanen brauchten einen Zauberer, um das Bild der fernen Geliebten heraufzubeschwören.

Demaskierung der Technik

Das neue Buch von Robert Dvorak „Technik, Macht und Tod“ (Claaßen und Goverts, Hamburg 1948, 89 Seiten), läßt uns Menschen, die wir der Katastrophe des zweiten Weltkriegs entronnen sind, schon im Titel aufhorchen.

Der Weg aus der Angst

Unter den Psychotherapeuten unserer Tage ist der einstige Theologe Dr. Johannes Neumann, der seine heilende und helfende Tätigkeit als praktischer Psychologe in erster Linie Studenten (zum Beispiel mit Examensangst) gewidmet hat und widmet, eine der sympathischsten Gestalten.

Erinnerung an einen Dichter

Eine gewisse Popularität hat der Dichter Hugo von Hofmannsthal, dessen Geburtstag sich in diesen Tagen zum fünfundsiebzigsten Male jährt, einmal als Autor der Versdramen „Der Tor und der Tod“, „Der Tod des Tizian“ und „Der Turm“ genossen.

Ist Arnold Schoenberg „Doktor Faustus“?

Großes Aufsehen erregt in Amerika ein heftiger öffentlicher Briefwechsel zwischen Arnold Schoenberg und Thomas Mann, der soeben in der „Saturday Review of Literature“ veröffentlicht wird.

Nach Hamsun Nexö und Shaw

Man hat es den großen, alten Knut Hamsun bitter entgelten lassen, daß er sich betören ließ, das Heil seines Landes und Volkes in den Händen eines Hitler wohl geborgen zu glauben.

Keine unnütze Konkurrenzfurcht!

Der Präventivkrieg der Interessenten in der britischen Presse gegen den nun anlaufenden deutschen Export hat bei uns eine Flut von Entgegnungen ausgelöst.

Markenehrlichkeit

Es ist ein offenes Geheimnis, daß man in den meisten Gaststätten das Gewünschte auch ohne Markenabgabe bekommt – nur „etwas!“ teurer eben.

Schwarz und Weiß

Es gibt überall „schwarze“ Schafe: in der Großstadt, in der Kleinstadt und auf dem Lande, in der Industrie und im Handel, in den Ladengeschäften und im ambulanten Gewerbe.

Wird es diesmal gelingen?

Seit einigen Tagen sind in Washington die Vertreter von 53 Nationen, nämlich 47 Delegierte und 6 Beobachter, zu Verhandlungen über ein globales Weizen-Abkommen versammelt.

Ein Staat im Staate

Durch das sogenannte „Potsdamer Abkommen“ war der UdSSR u. a. auch das „deutsche Eigentum im östlichen Österreich“ zugesprochen worden.

Gebrochenes Monopol: Aluminium

Der Krieg hat mit seinen Auswirkungen in der amerikanischen Aluminiumindustrie das Monopol der Aluminium Co. of America gebrochen.

Zürich – einmal ganz anders gesehen

Wer heute als deutscher Exporteur, Techniker und (zugleich) Journalist in die Schweiz einreist mit hochfliegenden Exportplänen, wird nachdenklich gestimmt zurückkommen Auf den Exporteur hat man drüben nicht so sehnlich gewartet, wie man sich das in Deutschland mitunter vorstellt.

Zuversichtliche Konjunkturprognose für die USA

Ein Besucher Im Zoologischen Garten stand vor dem Giraffen-Käfig. Er betrachtete lange und eingehend dieses afrikanische Wunder, ließ seine Augen immer aufs neue den so gebrechlich scheinenden Hals der Giraffe auf- und abwandern und sagte dann kopfschüttelnd zu seiner Begleiterin: „Ich kann es einfach nicht glauben!“ – Vielen Beobachtern der amerikanischen Nachkriegskonjuktur geht es wie diesem Zoo-Besucher.

Handelspolitische Umschau

In Argentinien wurde jüngst an maßgblicher Stelle erklärt, man denke dort nicht daran, das staatliche Handelsförderungsinstitut aufzugeben und zum freien Handel zurückzukehren; man werde das Außenhandelsmonopol vielmehr ausbauen.

Neue Hoffnung?

Der Untergang des deutschen Beton-Frachtschiffes „Hoffnung“, das an der jütländischen Küste mit 250 t Roggen auf Grund geriet, hat im Zusammenhang mit einer Verhandlung des Seeamtes Hamburg die Aufmerksamkeit deutscher und alliierter Kreise wieder einmal auf die bescheidenen Reste der deutschen Schiffahrt gelenkt.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Bei der Vielzahl von Außenhandelsvorschriften, die sich dazu noch laufend ändern, ist es für die im Ex- und Import beteiligten Händler, Spediteure wie Behörden nicht einfach, sich über den jeweiligen Stand der gesetzlichen Vorschriften Klarheit zu verschaffen.

Der Belastungszeuge

Am 24. Januar kommt Hitler, der sich außerhalb Berlins befunden hat, dorthin zurück. Am Abend dieses Tages legt ihm Göring Akten vor, und zwar, soweit man dies heute übersehen kann, gleichzeitig solche über Frau von Blomberg und den Generalobersten von Fritsch.

Hitler will nicht

Es geschieht also nichts, und die Gestapo greift wie erwartet zu. Am nächsten Tag wird Frisch trotz seiner Krankheit verhaftet.

Wie Generaloberst v. Fritsch verleumdet und gestürzt wurde

Das Schicksal des Generalobersten Werner Freiherr von Fritsch, den Hitler im Jahre 1938 seiner Stellung als Oberbefehlshaber des Heeres enthob, weil er seinen Plänen im Wege stand, und der nichtsdestoweniger 1945 von dem Hauptankläger des Internationalen Militärtribunals in Nürnberg auf Grund eines nicht nachweisbaren Briefdokuments als „einer der hervorragendsten Vertreter des nationalsozialistischen Regimes bezeichnet wurde, war für die gesamte Entwicklung der politischen und militärischen Unternehmungen, die dieser Amtsenthebung folgten, von entscheidender Bedeutung.

Horchposten Berlin

Es sind nicht die großen Ereignisse allein, die Meldungen des noch leidlich funktionierenden Nachrichtensystems, die aufschlußreiche Vorgänge aus der Ostzone berichten.

Das Haus „von der Stange“

In der Doppelzone leben zur Zeit 7,3 Millionen Neubürger und von ihnen 275 000 noch immer zusammengepfercht in Lagern, der Rest meist in völlig unzureichenden, sehr oft menschenunwürdigen Notquartieren.

Tanger: Eldorado der Gangster

Tanger, das vernachlässigte Waisenkind an der Schwelle des internationalen Rechts, ist eine Stadt, die weder orientalischen noch okzidentalen Charakter offenbart, weil beide sich in dieser merkwürdigsten Metropole am Nordwestzipfel des schwarzen Erdteils in einer wenig glaubhaften Weise vermischen.

Was außerdem geschah

„Warenaustausch“. Wie Public Information Office bekannt gibt, wurde „im Rahmen des Exportes von Dienstleistungen“ über die JEIA der deutsche Filmschauspieler Erich Pontow für den englischen Film „The Third Man“ verpflichtet.

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