Es scheint, als ob de neueren demokratischen Einrichtungen die Italiener nicht zur Ruhe kommen lassen. Kaum haben di italienischen Kommunisten — wie ihre französischen Genossen, und beide wahrscheinlich auf Befehl ihrer höheren Auftraggeber — ganz plötzlich ihre Aufruhrpropaganda abgedrosselt, so taucht ein anderes Problem auf, das in dea nächsten Monaten heftige Kämpfe verspricht: das der Während Deutschland um die Zurückgewinnung einer nationalen Einheit und die Überwindung einer übertriebenen Länderherrschaft ringt, ist man in Italien auf dem Wege, das Land zu dezentralisieren, die allgewaltige Staatsmacht, die bisher in Rem konzentriert war, zu- zerschlagen und 19 Regionen ein Höchstmaß von Selbstbestimmung zu geben, kurzum in deutschen Worten ausgedrückt: Länder und teuerten Einfuhren gespeist wird Und da es. fassung der italienischen Republik aufgenommen, die ant 1. Januar 1948 ia Kraft trat. Z denen, die sieb damals als ihre hartnäckigsten Fand erwiesen, gehörten die Kommunisten, "fofliatti als Vertreter einer totalitären Staatsauffassang sagte im März 1947: "Die nationale Einheit Italiens ist ein kostbares Gut für ein Land, das sie erst seit so kurzer Zeit besitzt. Seit 70 oder 80 Jahren sind wir ein national vereinig Land, und um dieses, Ergebnis zu erringen, sind Jahrhunderte voller Kämpfe, Demütigungen und Niederlagen nötig gewesen. Jetzt müsse wir achtgeben, daß wir diese Einheit nicht verlieren. Wollen wir wirklich aus Italien einen föderalistischen Staat bilden, viele Kleinstaaten, die gegeneinander kämpfen und sich die kargen Reichtümer des Landes streitig zu machen suchen?" Gegen die Stimmen von Kommunisten und Monarchisten wurden die- Verfassungsartikel über die Regionen angenommen , Inzwischen sind bereits zwei Regionen gebildet worden: Sizilien und Südtirol Trient. Der Rest Italiens soll in 17 Regionen ähnlicher Art aufgeteilt werden; die Regionalparlamente müßten ""noch vor Ablauf dieses Jahres in demokratischer Weise gewählt werden. Ohne Zweifel gibt die Verfassung den Regionen eine ausgedehnte Autonomie, die sich von der Regelung des Straßen, baues, des Schulwesens, der Energieversorgung, über die Möglichkeit von Boden- und Sozial" Versicherungsreformen bis zur eigenen Finanzwirtschaft erstreckt. Die Verfechter des regionalen Gedankens betonen, daß nur die Bewohner einer bestimmten Region die Notwendigkeiten ihres Heimatgebietes kennen und sie m einer Weise zu beurteilen vermögen, die gerechte, Gesetze schaffen kann- Gegen die Argumente der Regionsgegner, daß die nationale Einheit nicht zerschlagen werden, dürfe, weisen sie darauf hin, daß Artikel 117 der Verfassung bestimme, daß die regionale Gesetzgebung in Übereinstimmung mit den großen inien der nationalen Gesetzgebung stehen müsse.

Wenn man nun meint, daß Togliatti auch heute noch zu den Gegnern der Region gehöre, so irrt? man- Er hat vielmehr seinen Genossen den Befehl erteilt, für die Region einzutretenDarin haben sich die italienischen Kommunisten als gelehrige Schüler der taktischen Anweisungen Lenins erwiesen: während sie 1947 noch glaubten, legal oder illegal die gesamte Staatsgewalt an sich reißen zu können — wobei ihnen ein dezentralisiertes Italien ein Hindernis gewesen wäre — haben ihnen die Wahlen des vergangenen Jahres und die daraufhin erfolgte Stärkung der inneren Staatssicherheit gezeigt, daß sie diese Hoffnung vorläufig, aufgeben müssen. Sie würden sich heute mit der Gründung einiger regionaler Kleinstaaten kommunistischer Prägung zufrieden geben. In zwei oder drei Regionen hätten sie tatsächlich Aussicht, die Wahlmehrheit zu erringen: in Regionen, die außerdem an der Adria liegen und von denen aus leicht zum Balkan hinüber die Hand gereicht werden könnte.

Wer nun sind heute die Gegner des regionalen Gedankens? Der Partei nach die, neofasclwtischeti Nationalisten um Almirante und die Monarchisten, "in Wirklichkeit aber", so sagte der republikanische Senator Conti, "diejenigen, die aus der gegenwärtigen bürokratischen Korruption in Rom ihre Gewinne ziehen".

So haben wir drei Fronten vor uns: die Verfechter der Region als Mittel zur Bürgerfreiheat, die Verfechter der zentralen Staatsgewalt, die nur an den Knüppel- glauben, und die Schüler Lenins, denen jedes Mittel recht ist, wenn es nur zu ihrem Ziel führt. Seltsame Fronten — aber was spiegelt sich in ihnen anderes wider als die Tragödie unserer Tage? Fritz Gbrdian