Es ist ein offenes Geheimnis, daß man in den meisten Gaststätten das Gewünschte auch ohne Markenabgabe bekommt – nur „etwas!“ teurer eben. Diese liberale Handhabung des Markenzwangs, besonders für Fleisch und Fett, gefährdet die Versorgung; bei Brot (und Weizenmehl) ist es nicht anders. Im Auslande werden diese Mißstände natürlich übel vermerkt, besonders in den Ländern, die uns Lebensmittel gegen Stundung des Gegenwertes liefern.

An und für sich ist die Fleischversorgung nicht ungünstig; die Ergebnisse der Viehzählung vom Dezember übersteigen selbst günstige Erwartungen wesentlich. Freilich muß es das Ziel sein, das steigende Viehangebot nicht dem Schwarzmarkt, sondern der allgemeinen Versorgung zuzuführen.

Zunächst hatte die Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten drastische Betriebsüberprüfungen vorgesehen. Nun hat man sich anscheinend für den diplomatischen Weg entschieden. Ihm dürfte wahrscheinlich mehr Erfolg beschieden sein. Ministerialdirektor Podeyn gab auf der ersten Vollversammlung der Arbeitsgemeinschaft des Hotel- und Gaststättengewerbes ein Bild der Ernährungslage, auf lange Sicht gesehen. Mit seinen Ausführungen hatte er zu einem sachlichen auch noch einen persönlichen Erfolg. Die Hörer hatten zwar manches zu der Rede und noch mehr zu den Methoden der Betriebsüberprüfung zu sagen, aber andererseits verschlossen sie sich nicht der überzeugenden Beweisführung podeyns. Grundsätzlich erklärte man sich dazu bereit, seine Anregungen und Vorschläge zu unterstützen. Mit allem Nachdruck will man nun endlich wieder die Markenabgabe in den Gaststätten durchführen. Daß es geht, haben in letzter Zeit sehr viele gutgeleitete Gaststätten bewiesen.

Die VELF will, wenn sich hier wirklich Erfolge zeigen, unter die Vergangenheit, in der wir alle gesündigt haben, einen Strich ziehen. Bei neuen Verfehlungen wird allerdings ein energisches Eingreifen erfolgen. Man will den Gaststätten in Zukunft wieder Globalkontingente und Gewichtsmargen einräumen, um so der Speisekarte markenfreie Gerichte zuzuführen, die in Geschmack und Sättigungswert normalen Ansprüchen genügen. – Wir hoffen, daß die Erwartungen, die man an diese Bemühungen knüpft, wirklich in Erfüllung gehen werden. Dazu bedarf es allerdings einer nicht geringen Selbstzucht auf allen Seiten. GP.