Die Raketenfahrt ins Weltall ist eins der aktuellsten und gewaltigsten Projekte unserer Zeit. Die überraschenden Erfolge der Raketenentwicklung in den letzten Jahren erwecken den Eindruck, als sei die Rakete eine der neuesten Errungenschaften der modernen Technik. Tatsächlich blickt aber der Rückstoßmotor, der uns in naher Zukunft die Erfüllung eines der kühnsten Wunschträume der Menschheit bringen soll, in seiner einfachsten Form auf eine vielhundert jährige Entwicklung zurück.

Die Rakete ist – wie so manche andere technische Schöpfung – eine Erfindung der alten Chinesen. In China begegnet sie uns erstmalig im 13. Jahrhundert n. Chr. als Kriegswerkzeug mit dem wohlklingenden Namen „Lanze des stürmenden Feuers“. Man verwendete sie als Brandpfeil. Noch im selben Jahrhundert tauchte sie in Arabien auf und gelangte bald auch nach Europa. Dort diente sie ebenfalls längere Zeit kriegerischen Zwecken, ohne jedoch viel Bedeutung zu erlangen.

Erst am Ende des 18. Jahrhunderts erfuhr die Rakete eine Wiedergeburt. Bei der Belagerung von Seringapatam im südlichen Indien erlitten die englischen Truppen empfindliche Verluste durch das 5000 Mann starke „Raketeurkorps“ de indischen Fürsten Tippoe Sahib Die Kriegsrakete machte auf den englischen General Sir William Congreve einen so nachhaltigen Eindruck, daß er sie in seinem Heimatland weiterentwickelte. Der erste Großeinsatz der Raketenwaffe erfolgte im Jahre 1807, als die Engländer Kopenhagen mit ca. 20 000 Congreve-Raketen in Brand schossen und eroberten.

In fast allen europäischen Armeen – vor allem in Österreich, Preußen und Frankreich – wurde in der Folgezeit die Raketenwaffe eingeführte Sie wurde aber bald von der modernen Artillerie an Leistungen . (besonders an Treffsicherheit) weit überholt und verschwand um das Jahr 1870 vollkommen aus der Kriegstechnik.

Es schien, als sollte die Rakete nach ihrem bisher so gewalttätigen Lebenslauf nun ausschließlich friedlichen Zwecken dienen. Wir finden sie – um nur einige Verwendungsarten zu nennen – als Signal- und Feuerwerksrakete, als Fotorakete zur Aufnahme unzugänglichen Geländes, als Hagelzerstreuungsrakete zur Abwehr vernichtender Unwetter und vor allem als Rettungsmittel zur Bergung Schiffbrüchiger von gestrandeten Schiffen.

Die neueste Entwicklung der Rakete begann kurz nach dem ersten Weltkrieg und nahm ihren Ausgang von der Idee der Weltraumfahrt-Schön der große englische Naturforscher Isaac Newton hatte 1687 erkannt, daß der Rückstoß auch im luftleeren Raum wirkt, und daß es also mit einem rückstoßgetriebenen Fahrzeug möglich sein müsse, sich im leeren Weltraum fortzubewegen. Ein solches Mittel haben wir in der-Rakete. Sie arbeitet auf dem Rückstoßprinzip und führt den zur Verbrennung ihrer Brennstoffe nötigen Sauerstoff selbst mit, so daß sie nicht auf die umgebende Luft angewiesen ist. Aber von der Erkenntnis bis zur praktischen Ausführung war noch ein weiter Weg. Die Gesetze der Mechanik lehren nämlich, daß ein Körper, soll er das gewaltige Hindernis der Erdanziehung überwinden, die Erde mit einer Geschwindigkeit von 11,2 Kilometer pro Sekunde verlassen muß. Diese Forderung aber schien lange Zeit außerhalb jeder Erfüllbarkeit zu liegen.

Erst in den Jahren um 1920 schufen die großen Raketenpioniere unserer Zeit – vor. allem der Amerikaner Professor Robert H. Goddard und der Deutsche Professor Hermann Oberth – die theoretischen Grundlagen für eine regelrechte Raketen Wissenschaft. Sie bewiesen, daß es grundsätzlich möglich sei, Mond und Planeten mit Raketen zu erreichen. Das ganze ist eine Frage des Treibstoffs. Die bisher gebräuchlichen pulverförmigen Treibstoffe sind viel zu energiearm-Deshalb konnte auch den aufsehenerregenden Versuchen mit Pulverraketen, die in den zwanziger Jahren – insbesondere von Fritz von Opel, Max Valier und später von Reinhold Tiling – in Deutschland durchgeführt wurden, kein entscheidender Erfolg beschieden sein Sie führten pulvergetriebene Raketenautos, Schienenfahrzeuge, Schlitten und Segelflugzeuge mit Raketenantrieb vor und bewiesen wenigstens den ewigen Zweiflern, daß die Rakete als Antriebsmotor brauchbar, sei.