Es geht nun nicht länger, die Fichte muß ab. Schon mittags ist es so dunkel im Haus, daß ich meine Hände auf dem Tisch nicht erkenne. Ich gehe in den Wald und suche die Holzfäller. Es sind rohe Gesellen, man muß schreien, wenn man ihnen verständlich sein will, das Krachen der fallenden Stämme hat sie zu Tauben gemacht. Ich verspreche ihnen Tabak, und sie sagen, sie kommen. Am Morgen dann höre ich sie sägen; ich kleide mich an und trete hinaus. Die Fichte steht schief jetzt, sie neigt sich aufs Haus zu, das Sägeblatt im Stamm ist schon über die Mitte hinaus. „Was ist?“ frag ich ängstlich, „sie wird doch das Dach nicht zerschlagen?“. Die Holzfäller lachen, die Fichte ächzt. Ich gehe zitternd ins Haus und verberge mich hinter dem Fenster. Da sehe ich, wie sie sich Zeichen geben, und ich weiß nun, sie sind mit den Bäumen im Bunde. Ich muß fort, sie werden mir die stürzende Fichte aufs Haus lenken jetzt. Fieberhaft packe ich und verlasse durch die Hintertür das Zimmer. Meine Bücher habe ich, das Bettzeug, die Ziege. Ich bringe alles auf die Lichtung am See, pflocke die Ziege fest und laufe zurück. „Fort!“ schreien die Holzfäller, als sie mich sehen, „fort jetzt, er stürzt!“ Und wirklich haben sie die Säge bereits aus dem Schnitt gezogen und kerben die Fichte zum Haus hin mit den klobigen Handäxten ein. Der Baum hängt wie ein Fallbeil über dem Haus. Ich schleppe mich zurück. Als ich das Splittern höre, bin ich sehr müde, ich falle, ich berge den Rücken am Rücken der Ziege und schlafe.

Als ich wieder aufwache, ist die Ziege tot, das Bettzeug verfault, die Bücher sind schimmlig; ich Wanke zum Haus. Es steht noch; einen halben Meter daneben liegt die Fichte, sauber geschält. Aus dem Schornstein steigt Rauch, aus den geöffneten Fenstern dröhnt das Lachen der Holzfäller.

Wolfdietrich Schnurre