Seit einigen Tagen sind in Washington die Vertreter von 53 Nationen, nämlich 47 Delegierte und 6 Beobachter, zu Verhandlungen über ein globales Weizen-Abkommen versammelt. Die Beteiligung der Sojwetunion und Argentiniens wird international viel beachtet. – Es ist dies seit Kriegsende der vierte Versuch, eine Marktvereinbarung zwischen Export- und Zuschußländern zu schaffen.

Die ersten beiden Versuche, eine internationale Marktvereinbarung größten Stils zustande zu bringen, sind gescheitert, weil England, als der Hauptabnehmer, die von den Exportländern geforderten hohen Preise nicht akzeptierte. Im März vorigen Jahres, als man den dritten Versuch startete, waren die Aussichten zunächst günstiger Es kam ein auf fünf Jahre befristetes Weltweizenabkommen zustande, an dem sich 33 Importländer und 3 Exportländer – Kanada, die USA und Australien – beteiligten; Rußland und Argentinien fehlten freilich.

Am 1. August sollte das Abkommen in Kraft treten. Es ist aber nicht dazu gekommen. Nachdem der Senat in Washington die Ratifizierung verweigert hatte, traten die zwölf Staaten, die schon ratifiziert hatten (unter ihnen England), von dem Abkommen zurück. Im Dezember hat dem also die FAO jene neue Konferenz einberufen, die jetzt tagt.

Die Aussichten, ein Weltweizenabkommen zu schaffen, and diesmal wesentlich günstiger als 1945. Die weltweite Weizenknappheit ist wohl überwunden. Die letzte Welternte betrug 171 Mill. t, ein Viertel mehr als im vorhergegangenen Jahre, und lag damit sogar über dem Durchschnitt der letzten Vorkriegsjahre. Die exportfähigen Überschüsse der Haupterzeugerländer werden auf gut 26 Mill. t geschätzt. Auch der Importbedarf der meisten Länder ist gesunken. Einige Staaten, die bisher Zuschüsse verlangten, sind wieder mit Überschüssen am Markt, darunter Frankreich, das im vergangenen Jahre mit fast 1 Mill. t Einfuhrbedarf noch an dritter Stelle in der Liste der Einfuhrländer stand.

Diese guten Ernten, auch an Mais und sogar an Reis, sind also maßgeblich für die Beratungen in Washington. Wahrscheinlich bereuen manche Produzenten bereits ihren Widerstand gegen das vorjährige Abkommen, das ihnen auf fünf Jahre hinaus einen Höchstpreis von 2 $ je Bushel gesichert hätte (1 Bushel Weizen gleich 27,2 kg). Heute wird der Höchstpreis kaum über 1,75 $ hinaus zu fixieren sein. Kanada, die USA und Australien haben sich nach den neuesten Meldungen allerdings wieder auf einen Höchstpreis von 2 $ versteift. Der Delegierte der USA, Unterstaatssekretär Loveland, erklärte, die Produkttionskosten des Weizens seien so stark gestiegen, daß eine Senkung der Höchstpreise unter 2 $ – nicht zu verantworten sei. Auch bei diesem Preis würden die Subventionen an die Farmer im nächsten Erntejahre noch rund 60 Mill. $ betragen müssen. Der jetzige Subventionspreis liegt bei etwa 2,20 $ je Bushel. Loveland, also der Spreier desjenigen Landes, das heute mehr Weisen exportiert als alle, anderen Staaten der Welt zusammen in einigen Vorkriegsjahren, erklärte weiter, daß in absehbarer Zeit nicht mit einen starken Rückgang der Weizenpreise zu rechten sei – lebhaft sekundiert von den übrigen Weizenexporteuren.

Solche Vorhersagen finden wenig Glauben bei den Importeuren. Der englische Delegierte bezeichnete als höchstes Angebot seiner Regierung einer Höchstpreis von 1,50 $ und begründete seine Forderungen mit dem ständig sinkenden Importbedarf und den ständig steigenden Ernten. Schließlich ist sogar das Wort „Anbaubeschränkung“ schon wieder gefallen!

Die Gefahr, daß es zu Absatzschwierigkeiten kommt, bedroht besonders Argentinien, das neben Rußland der bisherige Außenseiter der Weltweizenkonferenz ist. Argentinien ist der Kriege gewinnler unter den Weizenexporteuren. Es hat an internationalen Besprechungen bisher nicht teilgenommen, weil es die Konjunktur ausnützen und sich preislich nicht binden wollte. Nicht zu Unrecht ist behauptet worden, daß Argentinien mit den hohen Weizenerlösen der letzten Jahre die englischen Eisenbahngesellschaften aus dem Lande hinausgekauft hätte.