Wer heute als deutscher Exporteur, Techniker und (zugleich) Journalist in die Schweiz einreist mit hochfliegenden Exportplänen, wird nachdenklich gestimmt zurückkommen Auf den Exporteur hat man drüben nicht so sehnlich gewartet, wie man sich das in Deutschland mitunter vorstellt. Der Techniker mußte erkennen, daß die Welt in den Jahren der Isolierung Deutschlands nicht stehengeblieben ist. Der Journalist aber muß, sofern er nicht dem Zauber der Bahnhofstraße in Zürich erlegen ist, wohl darauf verzichten, mit den traditionellen Berichten vom „Schlaraffenland Schweiz“ seinen neiderfüllten Landsleuten ein völlig schiefes Bild vorzuzaubern; er wird Eindringlicheres zu sagen haben.

Eines kann der deutsche Exporteur, der heute über die Grenze kommt, aus eigener Kraft tun, nämlich: verhindern, daß durch eigene vermeidbare Fehlet und Schwächen die ersten Ansätze eines gegenseitigen Verstehens wieder zerstört werden, daß man hüben und drüber aneinander vorbeisieht und vorbeiredet.

Früher wurden Geschäfte abgewickelt, weil die Ware gut und preiswert war. Heute, da in der Schweiz ein Überangebot aus aller Welt vorliegt, wird der deutsche Exporteur bei einschlagenden Neuheiten, bei besserer Qualität und bei angemessenen Preisen sicherlich Erfolge buchen können – vorausgesetzt, daß ihm nicht gerade die besten Geschäfte durch aufgezwungene Formalitäten zerschlagen werden. In den meisten Fällen jedoch wird er günstigstenfalls unter gleichen Konkurrenzbedingungen mit dem übrigen Ausland anzubieten gezwungen sein. Und dann können gerade Imponderabilien ausschlaggebend werden, die früher als nebensächlich kaum beachtet wurden Es wird darauf ankommen, daß der deutsche Exporteur die Sympathien wiedergewinnt, die ein größenwahnsinniges Regime einst leichtfertig verspielt hat.

Der Schweizer Käufer ist heute – abgesehen von wenigen Fällen, insbesondere für Ersatzbeschaffungen – nicht mehr auf deutsche Einfuhren angewiesen. Diese Situation kann auf Einzelgebieten vielleicht eine Änderung erfahren, nach umwälzenden deutschen Erfindungen.

Noch 1946 war der Schweizer Importeur geneigt, überall zu kaufen, um schleunigst seine Läger wieder aufzufüllen. Daraus, daß er sich auch auf seinen Hauptlieferanten Deutschland besann, glaubte man hier den Schluß ziehen zu können, die Schweiz sei auf deutsche Waren angewiesen.

Ein Teil der damals – vor allem aus den USA – Hals über Kopf, unbesehen und oft nicht mustergetreu, in die Schweiz eingeführten Waren ist heute unverkäuflich oder muß mit Verlust reexportiert werden. Der Grund liegt darin, daß der immer schon verwöhnte und anspruchsvolle Schweizer Verbraucher – selbst in den einfachen Kreisen – geradezu pedantisch wählerisch geworden ist.

Auch das Angebot aus Deutschland muß dieser Steigerung des Qualitätsbegriffes Rechnung tragen. Die Meinung, die Schweiz „warte“ auf die deutsche Ware, man brauche nur die Freiheit, dort wieder anzufangen, wo man einst aufgehört habe, und ein Strom von Aufträgen werde sich nach Deutschland ergießen, – diese Meinung ist zum mindesten überheblich und birgt die Gefahr arger Enttäuschungen und kostspieliger Fehlplanungen in sich.