Landwirtschaft ohne Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten ist heute auf der ganzen Welt, speziell aber in Deutschland, wo es gilt, die eigene Erzeugung aufs Höchste zu steigern, unmöglich. Nach Drees betragen die durch Pflanzenschädlinge entstehenden Ernteverluste allein im Gebiet der Westzonen jährlich rund 600 Mill. Mark. Voran stehen die Ausfälle an Kartoffeln durch die Kraut- und Knollenfäule und durch Viruskrankheiten. An Ölfrüchten können durch den Kohl- und Rapsrüßler unter Umständen 70 bis 80 v. H. der Ernte vernichtet werden. Nach einem Bericht der Obstbau-Versuchsanstalt Jork vernichtete, 1947 die Pflaumensägewespe ein Drittel der Ernte mit rund 100 000 Zentnern Zwetschen. Diese Angaben können aus dem Gebiet des Gemüsebaues, des Weinbaues, der Forstwirtschaft, des Hopfenbaues usw. beliebig fortgeführt werden. In den USA wird der Verlust durch Unkraut, Insekten und Pilzkrankheiten in der Landwirtschaft nach einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1948 auf rund 5 Mrd. $ im Jahr berechnet.

Zur Minderung dieser Verluste ist heute die Bekämpfung der Krankheiten mit chemischen Mitteln genau so notwendig, wie die Düngung mit künstlichen Düngemitteln.

Für die Beratung der Landwirtschaft über Pflanzenschutzmaßnahmen sind seit Jahren in allen Ländern staatliche Institute und Beratungsstellen geschaffen worden. In Deutschland besteht heute in jedem Land ein Pflanzenschutzamt mit mehreren Bezirksstellen sowie – als Zentralinstitut – die Biologische Zentralanstalt für Land- und Forstwirtschaft mit ihren verschiedenen Zweigstellen, die Sonderaufgaben des Pflanzenschutzes betreuen. Der deutschen Landwirtschaft werden nur Präparate zur Verfügung gestellt, die zwei Jahre lang die sehr scharfe Prüfung des Pflanzenschutzdienstes bestanden haben.

Während in den ersten Zeiten des Pflanzenschutzes Chemikalien der verschiedensten Art gebraucht wurden, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten Spezialpräparate immer mehr den Markt erobert. Bekannt ist die deutsche Erfindung des ungiftigen Nirosan, eines Mittels gegen Schädlinge im Weinbau, dessen Vorhandensein es ermöglicht, daß die Anwendung des bisher üblichen (giftigen) Arsens durch den Staat verboten werden konnte. Weltbekannt wurde dann das schweizerische Präparat DDT, das während des Krieges als Läusebekämpfungsmittel in allen Heeren der Welt verwendet wurde. 1947 wurden in den USA etwa 48 Mill. los. DDT hergestellt, was etwa 10 v. H. der auf 200 Mill. $ geschätzten chemischen Erzeugung von den USA ausmacht. Auch die Produktion von 6 Mill. lbs. 2,4 D (Dichlorphenoxyessigsäure) zur Unkrautbekämpfung in den USA gibt einen Begriff über die heutige Bedeutung des Pflanzenschutzes. In der Bizone schätzt man den Verbrauch an Schwefelmitteln auf 2500 t, an Arsen (gegen Kartoffelkäfer und Schädlinge des Grünlands und im Obstbau) auf 15 000 t, den Bedarf an synthetischen Mitteln im Gemüse-, Kartoffel- und Obstbau auf 30 000 t, an teerölhaltigen Mitteln im Obstbau auf 12 000 t, an Unkrautmitteln auf 10 000 t, wobei zu bemerken ist, daß es sich hier nicht um reine Chemikalien, sondern um „eingestellte“ Präparate handelt, die je nach Verwendungszweck eine besondere chemische und physikalische Aufbereitung erfahren haben.

Aus der Reihe der synthetischen Mittel besonders zu erwähnen ist das neueste Insektizid E 605, eine deutsche Erfindung, die nach Kriegsschluß den Alliierten in die Hände fiel und deren Verwertung in der Fabrikation heute von den verschiedensten Firmen des Auslandes versucht wird. E 605 übertrifft die bis jetzt bekannten Mittel in seiner Insektiziden Wirkung um das 5- bis 25fache. Dieses Mittel, bei dem es sich um einen organischen Phosphorsäureester handelt, wird schon in größten Mengen als Ersatz Nikotin, Bleiarsen, Quassia und andere weniger wirksame Präparate verwendet. Neben E 605 zu erwähnen ist noch eins der von den Engländern während des Krieges herausgebrachten Mittel, Hexachlorcyclohexan, mit ebenfalls guter Wirkung gegen Pflanzenschädlinge, das aber wegen einer unangenehmen Geschmacksübertragung nicht in allen Fällen angewandt werden kann. H. G. B.