Am 11. Februar jährt sich zum dreißigsten Male der Tag, an dem Friedrich Ebert von der Nationalversammlung in Weimar zum ersten deutschen Reichspräsidenten gewählt worden ist. Der Präsident der Versammlung, Fehrenbach, richtete nach der Vereidigung herzliche Worte an ihn, in denen er auch an die Liebe zur gemeinsamen badischen Heimat erinnerte. Friedrich Ebert badischen mit wenigen Sätzen, in denen er das Programm, das er sich gestellt hatte, und das er auch in der verfassunggebenden Versammlung vertrat, schlicht und klar, wie es seiner geraden Natur entsprach, darlegte.

„Herr Präsident“, sagte er, „ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Worte, und ich danke Ihnen auch besonders dafür, daß Sie in Ihren Worten die Erinnerung an unsere gemeinsame Liebe zur engeren Heimat mitklingen ließen.

Meine Damen und Herren, die Sie alle Gaue Deutschlands vertreten, das muß uns bleiben, wenn wir unser Vaterland auf Grundlagen wieder aufbauen wollen, die unvergänglich und unzerstörbar sein sollen: die innige Liebe zur Heimat, zum Volksstamm, aus dem jeder einzelne entsprossen ist, und dazu soll kommen die heilige Arbeit am Ganzen, das Sich ein stellen in die Interessen des Reiches; da löst sich jeder Widerspruch zwischen Gesamtheit und Einzelstaat, da wird die engere Heimat zur Quelle unserer Kraft, und die weitere, die große Heimat, zum Ziel und Kern unserer Arbeit.

In diesem Gebiet lassen Sie mich zu meinem Teil die Verfassung halten, vertiefen und schützen; das Wesen unserer Verfassung soll vor allem Freiheit sein, Freiheit für alle Volksgenossen.

Aber jede Freiheit, an der mehrere beteiligt sind, muß ihre Satzung haben. Diese haben Sie nun festgestellt. Nun wollen wir sie gemeinsam festhalten.

Aus Ihrem Vertrauen bin ich an die erste Stelle im Deutschen Reich gestellt worden, in Ihre Hand habe ich das Gelöbnis abgelegt, die von Ihnen für das deutsche Volk geschaffene Verfassung zu wahren. Ihr Vertrauen wird mir die Kraft geben, immer der erste zu sein, wenn es gilt, Bekenntnis und Zeugnis abzulegen für den neuen Lebensgrundsatz des deutschen Volkes: Freiheit und Recht!“

Freiheit und Recht, gegen beides erhob sich noch zu seinen Lebzeiten in München Adolf Hitler. Freiheit und Recht gingen mit dem Weimarer Staat in Deutschland zugrunde, und bis heute sind wir ihrer noch nicht wieder teilhaftig geworden. Es war ein großes Unglück für die junge deutsche Republik, daß ihr weitaus bester Staatsmann Friedrich Ebert so früh gestorben ist, wozu die maßlosen, ehrabschneiderischen Angriffe der äußersten Rechten ihr Teil beigetragen haben. Ebert hatte während des Kapp-Putsches gezeigt, daß er die nötige Festigkeit besaß, seine Stellung zu wahren, und so wäre er vermutlich auch mit den späteren Gefahren fertig geworden. Er war ein vorbildlicher Reichspräsident, und man sollte immer wieder an ihn erinnern. M. R.