Wir bringen diesen uns eingesandten Brief, weil er in seiner ehrlichen unbeholfenen Sprache das Elend unserer Gefangenen in Rußland und in der Ostzone besonders erschütternd zum Ausdruck bringt;

„Am 12. Mai 1942 bin ich in russische Gefangenschaft geraten und am 18. Oktober 1942 mit zehn Kameraden türmengegangen. Wir sind dann nach neun Tagen wieder geschnappt worden und wurden angeblich wegen Diebstahl und Raab verurteilt. Begründung Wir konnten nicht neun Tage ohne Essen leben, mithin: gestohlen oder geraubt. Als Anführer (ich war ehemals Oberfeldwebel) erhielt ich zehn Jahre, die anderen fünf bis acht Jahre Straflager.

Wir kamen dann geschlossen im Sinne des Worte“ in die Gegend von Jakutsk, das ist schon weit in Sibirien. Dort waren schon etwa hundert deutsche Soldaten und zehn Polen. Im Laufe der Jahre wurden es mehr und mehr, bis wir rund viertausend Mann waren. Es starben viele, andere wurden abtransportiert, wie es durchsickerte, kamen sie in andere Lager. Im Spätsommer 1945 wurden wir gewahr, durch deutsche Frauen, die dort als Gefangene auftauchten, daß der Krieg vorbei und Deutschland von den anderen ganz besetzt sei. Schreiben durften und konnten wir nicht, sogar bei der Arbeit war das Sprechen untereinander verboten, und in den Baracken nur Flüstersprache. Es ist eben ein furchtbares Straf-Jäger.

Am 31. Mai 1947 habe ich den Kommandanten aus einer Lebensgefahr befreit, dafür hat er sich für mich verwendet, und ich wurde amnestiert. In meine Heimat konnte ich nicht (Lyck), denn die Polacken sind dort. Darum nach Berlin. Meine Familie ist erschlagen worden. Nur meine Schwester lebt noch, die ist in Löbau. Ich bekam dann Arbeit im Volkswerk, wurde aber dann mit einemmal verpflichtet und sollte nach den Erzgebirge Uran abbauen. Wir sind dann zu dritt nach dem Westen geflüchtet und unter Mühsalen jetzt hier in der britischen Zone. Das schlimmste ist nun, da wir keine Papiere haben, die Russen haben uns alles genommen, will man um wieder nach dort abschieben, heute oder morgen soll es losgehen. Wir machen aber nicht mit. Ehe wir wieder uns von der SED-Gesellschaft einsperren lassen, sollen. Pieck, Grotewohl und Ulbricht selber Uran fördern. Da gehen wir lieber weiter nach Westen. Wir hörten, in Mainz und Baden-Baden ist eine Annahmestelle für die Fremdenlegion. Wir werden dann doch lieber Soldat, wenn auch Landsknecht unter fremder Fahne, als wie Sklavenarbeiter für die Bolschewiken, Das ist unser fester Wille und Entschluß.“

Stalin hat in letzter Zeit viel vom Frieden geredet, er wolle, hat er verkündet, mit Präsident Truman alle Probleme besprechen, die Deutschland berühren, damit eine Lösung gefunden werden könne. Nun, hier ist ein Problem, das der Kreml ganz allein lösen kann. Nur von ihm hängt es ab, daß diese Unglücklichen endlich in ihre Heimat zurückkehren können. Ist die Sowjetunion so schwach, daß sie sich dies nicht leisten kann? Wir möchten auch von sowjetischer Seite einmal eine Antwort auf die Frage haben, woher es kommt, daß so viele Kriegsgefangene, die aus Rußland bereits geschrieben haben, verstummt sind. Sind sie zugrunde gegangen oder in Schweigelager gesperrt worden? Die Sowjetunion behauptet von sich, sie sei ein mächtiges Land mit einer hohen wirtschaftlichen Blüte. Offenbar ist dies nicht wahr, denn sonst hätte sie nicht nötig, deutsche Kriegsgefangene als Sklaven zu halten und nicht einmal ihre Zahl der Wahrheit entsprechend anzugeben. Tgl.