Der aus der Vergangenheit übernommene und heute noch vielfach irrtümlich angewandte Begriff „Kosmetische Erzeugnisse und Parfüme-Ben“ hat in weiten Kreisen den Eindruck erweckt, als ob es sich um Waren in den Auslagen der Schönheitssalons handele, an denen die breite Masse uninteressiert vorübergeht. Die Bedeutung einer volkswirtschaftlich wichtigen Industrie, die sachlich richtig als Körperpflegemittel-Industrie bezeichnet werden muß, wurde während des letzten Krieges durch Stillegung vieler, vermeintlich unwichtiger Betriebe, mißachtet: mit der Konsequenz einer restlosen Vernachlässigung der Volkshygiene. Dabei hat sich die deutsche Körperpflegemittel-Industrie in Fortführung der bereits vor dem Kriege angebahnten Produktionsrichtung in immer stärkerem Maße auf die Herstellung von Erzeugnissen eingestellt, die mehr und mehr zu einer wichtigen Grundlage für die gesamte Gesundheitspflege geworden ist.

Gerade in der heutigen Zeit kommt in dem übervölkerten Gebiet der Westzonen der Körperpflege eine besondere Bedeutung zu. Die von allen verantwortlichen Stellen anerkannten Forderungen für die Gesundheitspflege werden nur dann Erfolg haben, wenn die Belieferung mit Erzeugnissen für die Gesundheits- und Körperpflege entsprechende Förderung erfährt. Erzeugnisse wie Zahnpasta, Zahnseife, Zahnwasser, Hautcreme, Kinder- und Körperpuder, Kopf- und Fußpflegemittel, Kölnisch-, Lavendel-, Gesichts- und Mundwasser sind seit langem unentbehrliche Mittel zur Gesundheitspflege geworden. Durch Gutachten ärztlicher Autoritäten wird ihre große hygienische Bedeutung immer wieder festgestellt.

Die Produktionsrichtung zeigt deutlich, daß es sich nicht um Luxuserzeugnisse handelt. Die Körperpflegemittel-Industrie, nicht zuletzt die Markenartikelhersteller, sind ständig bemüht, trotz der gestiegenen Rohstoffpreise und sonstigen Produktions Verteuerungen die Preise so niedrig zu halten, daß ihre Erzeugnisse auch von der breiten Masse der Bevölkerung gekauft werden können und nicht nur dem Bedarf der „Oberen Zehntausend“ dienen.

Es hat jedoch manches Kopfschütteln bei den Verbrauchern hervorgerufen, daß die nach langer Zeit wieder offen über dem Ladentisch verkauften alkoholhaltigen Erzeugnisse verhältnismäßig teuer sind. Die nach vielen Schwierigkeiten erkämpfte (aber völlig unzureichende) Zuteilung von Alkohol, die erst ca. 3 v. H. der alten Bezugsrechte ausmacht, hat die Verarbeiter in der Körperpflegemittel-Industrie zu großen betrieblichen Anstrengungen veranlaßt, um die Belastung des Rohmaterials für die Herstellung von Kölnisch-, Lavendel- und Gesichtswasser sowie Kopf Pflegemittel um rund 120 v. H. abzufangen. Während im Jahre 1929 der Alkoholpreis je Liter reinen Alkohols 3,30 RM betrug und 1932 auf 2,40 RM sank, dann zu Beginn des Krieges Frieder auf 4,20 RM erhöht wurde, ist der Preis von der Monopol Verwaltung im November 1948 auf 9,30 DM festgesetzt worden. Wenn die Verbraucher mit der heutigen Preisauszeichnung unzufrieden sind, so müssen sie sich also beim „Vater Staat“ beschweren.

Ein weiterer sehr wichtiger Rohstoff für die Körperpflegemittel-Industrie sind die ätherischen Die Auch hier reichte die für die Einfuhr bewilligte Dollar-Summe nur zu einer zwei- bis dreiprozentigen Bedarfsdeckung aus. Die von der Doppelzone abgeschlossenen europäischen Handelsabkommen werden es gestatten, die Versorgung mit diesen Rohstoffen aus bezugsnahen Ländern, z. B. Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz, zu sichern. Vor dem Kriege wurden für die Einfuhr von ätherischen Ölen 20 Mill. RM aufgewandt; seit 1947 wurden dagegen nur für rund 250 000 $ eingeführt. An der Vorkriegseinfuhr war diese Industrie mit etwa der Hälfte beteiligt.

Nun bedroht aber noch eine weitere Verteuerungswelle unsere Volkshygiene. Wir stehen dicht vor der Einführung einer Luxussteuer, die man durch die Bezeichnung „Aufwandsteuer“ verschönt. Mit ihr soll eine 20 v. H. betragende zusätzliche Besteuerung derjenigen Erzeugnisse eintreten, die einem über die Befriedigung der Bedürfnisse einfacher Lebensführung hinausgehenden Aufwand dienen. Selbst wenn die Herstellung von vielen Erzeugnissen der Körper-Pflegemittel – Industrie eine Luxusfabrikation wäre, müßten vom wirtschaftlichen Standpunkt aus die schwersten Bedenken gegen diese Zusatzsteuer erhoben werden. Wird das heimische Erzeugnis infolge der Belastung zu teuer, so hört nicht etwa der Konsum an sich auf, es werden auch nicht ohne weiteres höhere Preise bezahlt, sondern die Deckung der Nachfrage geht vielmehr in andere Hände (Schwarzbrennereien) über. Das deutsche Erzeugnis verschwindet auch aus dem Markt zugunsten des illegal eingeführten ausländischen. Es ist Tatsache, daß in den letzten Monaten die Westzonen mit illegal eingeführten französischen und anderen ausländischen Erzeugnissen überschwemmt werden.

Die Folgen einer Absatzstockung und Produktionseinschränkung würden sich auch auf die Zulieferindustrie (Glasindustrie, Verpackungsmittel, Druckereien) auswirken. Überdies können die gerade in der Körperpflegemittel-Industrie vertretenen Facharbeiter nicht weiterbeschäftigt werden, wenn aus preislichen Gründen der notwendige Absatz fehlt. Es werden also nur diejenigen frohlocken, die eine Senkung des Lebensstandards unseres Volkes befürworten; die Folgen sind aber sehr eindeutig: Rückgang der Gesundheitspflege und damit Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit in Haus und Beruf. Abdrosselung einer volkswirtschaftlich wichtigen Industrie, die eine recht erhebliche Bedeutung auch für den Export besitzt. Ausreichende Inlandsproduktion und ein Inlandsabsatz auf breiter Basis bilden ja die Voraussetzung für die Steigerung des Exportes der bekannten. Marken-

firmen, die sich seit Jahrzehnten mit ihren Qualitätswaren auf den Märkten der ganzen Welt durchgesetzt haben. R–r.