Wihrend in Lake Success die UNO ein Preisausschreiben für die zehn besten Aufsätze veranstaltet, die von der "Verwirklichung der Erklärung über die Menschenrechte" handeln, hatte sich der Fürstprimas von Ungarn, Kardinal Mindszenty, in Budapest vor einem kommunistischen Tribunal für seine Gesinnung zu verantworten. Er war angeklagt, angeblich Hochverrat gegen die Regierung, Spionage für die USA und schwarze Handelsgeschäfte getrieben zu haben. Der Kardinal, der wegen seiner antikommunistischen Haltung seit langem mit einer Verhaftung rechnete, und dem die unmenschlichen Methoden der Kommunisten, Geständnisse zu erpressen, wohlbekannt waren, hatte, als er sich noch in Freiheit befand, in einem Brief erklärt, man solle, falls er verhaftet werden würde, keine Geständnisse glauben, weil sie entweder aus menschlicher Schwäche erfolgt seien oder überhaupt gefälscht wären.

Mindszenty hat nun alles "gestanden" und erklärt, er bedauere, früher falsch gehandelt zu haben. "Ich fühle mich insofern schuldig", sagte der Kardinal, "als ich die Handlungen begangen habe, die mir vorgeworfen werden. Auch gegen die Einzelheiten der Anklageschrift erhebe ich keinen Einspruch." Mindszenty sagte jedoch, er könne die Schlußfolgerung, die man aus seinen Handlungen gezogen habe, nämlich, daß seine Tätigkeit auf eine Verschwörung zum Sturz des ungarischen Regimes abzielte, nicht anerkennen. Er sagte, seine Pläne hätten lediglich mit der Möglichkeit eines dritten Weltkrieges und mit dem eventuellen Sturz der gegenwärtigen Regierung durch eine auswärtige Macht in Zusammenhang gestanden. Zu keiner Zeit aber habe er die Absicht gehabt, an einem direkten Versuch zum Putsch teilzunehmen.

In keinem demokratischen Lande würde das Belastungsmaterial ausgereicht haben, ein so schweres Urteil, lebenslängliches Gefängnis (!), zu fällen. Weder die angeblichen Devisenschiebungen noch der Landesverrat, von der Spionage ganz zu schweigen, wurden eindeutig erwiesen. Für die Kommunisten jedoch genügte das Material vollkommen, um einen politischen Gegner zu vernichten. Die eifrigen Schüler des Kremls wollten aber mehr. Sie haben ihre altbekannten Methoden der menschlichen Folterung angewandt und machten aus dem früheren Gegner ein willenlose Werkzeug, um später erklären zu können, er sei eben nichts weiter als ein "verängstigter Verbrecher". Denn sonst hätte zweifellos der Fürstprimas von Ungarn ganz anders zum letzten Male vor der Welt gesprochen.

Zum letzten Male, weil die Kommunisten kein Opfer eines Schauprozesses aus ihren Klauen zu lassen pflegen. Und das Entsetzliche ist, daß sie dabei nichts zu riskieren haben – nicht einmal mehr den Verlust eines moralischen Prestiges unter den freien Völkern, weil sie längst nicht mehr über ein solches verfügen. Sie versprechen sich aber – vielleicht mit Recht – daß der Budapester Schauprozeß eine neue und eindrucksvolle Warnung für alle diejenigen innerhalb des Eisernen Vorhangs ist, die es noch nicht aufgegeben haben, Widerstand zu leisten. B–w.