Die Großchemie basiert in Deutschland zu einem erheblichen Teil auf der Kohle. Die Absicht, die Kohle hochwertig und damit rentabel zu veredeln, gab die Anlässe zu ihrer Entwicklung. Das Ausgangsprodukt für diese Art der chemischen Grundproduktion bildet die erste Veredelungsstufe der Kohle: Koks und Koksofengas. Hinzu tritt die Kohle in ihrer ursprünglichen Form und das im deutschen Raum anfallende Erdgas.

Die chemische Industrie umfaßt sowohl die Herstellung von Grundstoffen in großtechnischen Prozessen als auch eine komplizierte, den vielfältigen wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnissen angepaßte Endfertigung in einer Unzahl von Betrieben, vom Großunternehmen bis zum Kleinstbetrieb. Die erzeugten Grundstoffe, zum Beispiel Schwefelsäure oder Ammoniak, werden innerhalb der chemischen Industrie selbst weiterverarbeitet. Mit ihren Endfertigungen aber ragt sie in nahezu sämtliche Wirtschaftszweig; hinein. Und zwar in einem Maße, daß die Gesamtwirtschaft mehr oder weniger von ihr abhängig oder doch beeinflußt ist.

Um in etwa eine Vorstellung von der Verflechtung der chemischen Industrie in sich und mit der Gesamtwirtschaft zu vermitteln, geben wir nachstehend eine grob-schematische Darstellung:

Zur näheren Erläuterung des Schemas seien die Beziehungen der Gesundheitspflege und Hygiene zur chemischen Industrie herausgegriffen Denn gerade da treten wirtschaftliche und kulturelle Belange besonders deutlich in Wechselwirkung.

Die deutsche pharmazeutische Industrie ist ein bedeutsamer Aktivposten in unserer Außenhandelsbilanz. Sie ist seit je in der Welt anerkannt durch die Ergebnisse ihrer Forschung, Produktion und Anwendung. Sie deckt den Bedarf der heilenden Wissenschaft" mit synthetischen Und halbsynthetischen Erzeugnissen sowie abgewandelten und aufgearbeiteten Naturprodukten, wie Desinfektionsmitteln, medizinischen Narkotika und Mitteln zur Bekämpfung von Krankheitsherden – um nur einige zu nennen. Hinzu kommen Drogen, Laboratoriums- und Feinchemikalien, wie sie dem Arzt zur Diagnose, dem Apotheker zur Rezeptur dienen.

Die in Deutschland stark entwickelte Industrie der medizinischen Apparate und Hilfsmittel ist geradezu angewiesen auf die Kunststoff- und Lackindustrie (Kautschuk, Buna, Preßmassen, Thermoplaste, Perlon, Cellon usw.). Auch die sorgfältige und hygienische Verpackung und Aufbewahrung von Heilmitteln wäre nicht möglich ohne Klebestoffe, ohne Kunststoffe wie Cellophan, ohne Material für Flaschenkapseln usw., ganz abgesehen von den Druckfarben für die Beschriftung und Gebrauchsanweisungen.

Das weite und wichtige Gebiet der Hygiene ist allein schon gekennzeichnet durch die Begriffe: Seifen-, Wasch- und Reinigungsmittel. Die Kö-perpflegemittel-Industrie spielt auf dem Gebiet der Hygiene eine nicht weniger wichtige Rolle. Andere kosmetische Erzeugnisse (wie Hautcreme, Haarpflegemittel usw.) haben nicht nur rein hygienische Bedeutung. Sie fördern sehr das Wohlbefinden und damit die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung. Sogar Erzeugnisse wie Puder, Parfüms, Lippenstifte und "Kabinettsware" für den Friseur spielen heute eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Leistungsfähigkeit zumal der Frau hängt ja nicht zuletzt von ihrem körperlichen Wohlbefinden und dem Gefühl des Gepflegtseins ab.