Die dank dem ERP erweiterten Einfuhrmöglichkeiten sind für die Beseitigung der noch vorhandenen Engpässe in der Rohstoffversorgung der chemischen Industrie und ebenso auch für die Erweiterung der Produktion von besonderem Interesse. Die Beteiligten verfolgten mit Aufmerksamkeit alle Bestrebungen, die zu einer Erleichterung des bisherigen Importverfahrens und zu einer stärkeren Einschaltung deutscher Stellen führen.

In der Praxis hat sich leider gezeigt, daß die bürokratischen Hemmungen und der damit verbundene Papierkrieg bisher nur einen immer größeren Umfang annehmen. Allein ein Einfuhrantrag setzt sich aus vier verschiedenen Anträgen, 14 Lizenzen und vier payment agreements zusammen, denen eine listenmäßige Aufstellung der bereits durch Sachverständige vorgeprüften Offerten und Gegenangebote beigegeben sein muß. In diese Vorprüfung und die kontrollmäßige Erfassung der Vorgänge sind die Sachverständigen der betreffenden Importsparten und der Fachstelle Chemie eingeschaltet. Wenn schließlich nach vielen Hindernissen und einem unendlichen Aufwand an Zeit, Energie und Geduld der Kaufantrag von der JEIA genehmigt worden ist, sind je Einfuhrobjekt nicht weniger als 108 Stempel der Wirtschaftsverwaltung und der JEIA notwendig, um aus den Formalitäten eine Tatsache zu machen.

Damit ist aber erst eine Klappe umschifft. Denn der verhältnismäßig beschränkte Kreis der Sachverständigen des JEIA-Stabes. der diesen Papierwust zu bearbeiten hat, wird durch ständige Besuche, Rücksprachen und Nachforschungen immer wieder von der sachlichen Arbeit abgehalten. Bis zur Herausgabe einer Einfuhrgenehmigung nach Entscheidung über die günstigste Offerte vergehen also zwei bis drei Wochen, und bis zur Bestätigung der Eröffnung des Akkreditives bei der Bank Deutscher Länder und den entsprechenden Banken in New York oder London weitere vier Wochen. Man braucht sich also nicht zu wundern, daß selbst ein erfahrener und in allen behördlichen Irrgärten vertrauter Importeur nach Abgabe der Festofferte bis zum Eingang des Akkreditivs beim ausländischen Ablader mit einem Zeitraum von mindestens sieben Wochen rechnen muß. Es ist klar, daß sehr viele günstige Angebote für den deutschen Markt verlorengehen, und daß auch viele seriöse Ablader abgeschreckt werden, bindende Offerten abzugeben.

Aus der Fülle der uns bekanntgewordenen Beispiele greifen wir einen typischen Fall heraus: Ein am 19. Juli auf dem üblichen Weg eingereichter Antrag wurde trotz größter Anstrengungen aller Sachbearbeiter erst am 22. Dezember lizenziert. Bis Ende Januar 1949 war die Akkreditiveröffnung bei dem betreffenden Ablader noch nicht bekannt. Dieser Fall zeigt deutlich, welche Steine nun auch dem kommenden Individualimport in den Weg gelegt werden können und warum bisher die bereitgestellten Einfuhrbeträge in vielen Fällen nicht ausgenutzt wurden. H-K