jugendlich wallet mir um die Schläge! Schreckliches hab ich vieles gesehen..." Die Musik, vom "Zwölfton-System" Arnold Schönbergs beeinflußt, hat alle Bindungen an die Dur-moll-Tonalität und die harmonisch-funktionelle Homophonie abgestreift und sich unter das Gesetz der "Reihe" gestellt; Im Orchester. wird die dem Chorwerk zugrunde gelegte Tonreihe in Form einer Passacaglia eingeführt. Aus ihr entwickelt sich der Chorklang als bezwingende Interpretation der Goethe-Worte. Henzes Tonsprache lebt von dem Spannungsgehalt der Intervalle, sie entspringt aus starker künstlerischer Intuition, fern jedem leeren Konstruktivismus. Sie will in ihrer Wirkung nicht "beglücken", sondern vielmehr "bestürzen". Sie läßt (übrigens mit einer Rückkehr zum ersten Ton der Reihe) die Unruhe der Dichterworte im Hörer nachklingen. Vom Melodramatischen bis zum dissonanten Aufschrei; der Chorstimmen sind alle denkbaren Stufen des Ausdrucks genutzt.

Der Aufführung dieses für Sänger (Besonders hinsichtlich der Intonation) und Hörer gleich anspruchsvollen Werkes ging ein Einführungsgespräch zwischen dem Komponisten und dem Dirigenten Hoffmann voraus. Damit konnten Vorurteile beseitigt und die Aufmerksamkeit der Hörer auf das Wesentliche gelenkt werden. So wurde denn auch die Wiedergabe ein überwältigendes Bekenntnis zu dieser Form musikalischer Aussage. Der junge Komponist sah sich stürmischgefeiert und Hans Hoff mann als ausgezeichnetes Interpret und Wegbereiter nicht weniger lebhaft bedankt. Hermann Lorenzen