Schwäbischer Fleiß baut eine Stadt aus Trümmern

Von H. G. v. Studnitz

Zwei Worte werden In Schwaben groß geschrieben: "schaffe" und "hinkriege". Schwäbischer Fleiß hat geholfen, Amerika groß zu machen. Und bisweilen hat man den Eindruck, daß alle Amerikaner, die nicht von Engländern abstammen, aus Schwaben kommen. Nicht umsonst trägt die Landeshauptstadt Stuttgart heute manchmal Züge eines amerikanischen Goldgräberdorfes. Tag und Nacht wird hier gerüstet, gehämmert, Zement gemischt, Schotter gefahren, Kalk gerührt, Glas eingesetzt. Der Wiederaufbau von Stuttgart – man kann es ohne. Übertreibung feststellen – ist in vollem Gange. Wie ist das möglich? Warum gelingt in Stuttgart, was in anderen Großstädten nicht oder viel langsamer nur gelingen will?

Das Oberhaupt gibt Auskunft

"Worauf fuhren Sie, Herr Oberbürgermeister, das, was man das "Wunder von Stuttgart‘ nennt, vor allem zurück?"

Auf diese Frage erwiderte das Stadtoberhaupt Dr. Klett: "Es gehört kein Wunderglauben dazu, die Erfolge Stuttgarts bei seiner Aufbauarbeit zu verstehen. Das Verdienst an unseren erfreulichen Fortschritten gebührt vor allem unserer Stuttgarter Bevölkerung. Die Führung – jedenfalls unserer Stuttgarter Stadtverwaltung – hat der Initiative des einzelnen so viel Spielraum gelassen als irgend verantwortet werden konnte. Zu diesen wichtigsten Voraussetzungen kam noch ein weiterer glücklicher Umstand hinzu. Nach unserer wirtschaftlichen Struktur sind 59 v. H. der Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk und nur 41 v. H. in Handel und Verkehr tätig, während in anderen Städten das Verhältnis fast umgekehrt ist. Stuttgart ist also in höherem Maße als andere Gemeinwesen eine produzierende Stadt. Diese Tatsache, die besonders vor der Währungsreform ausschlaggebend wichtig war, wurde von den Stuttgarter Gewerbetreibenden geschickt genutzt. So gelang es uns, einen beachtlichen Vorsprung zu erreichen."

"Wo haben sich die Stuttgarter die Baustoffe herbesorgt?"