In dem Abkommen, mit dem sich Portugal in die Gemeinschaft der 16 Teilnehmerstaaten des Marshall-Plans einschließt, ist vorgesehen, daß dieses westeuropäische Land von den Vereinigten Staaten im Rahmen des ERP nur soviel Waren erwirbt, wie es an Washington gegenliefert. Mit anderen Worten, die USA haben Interesse an den portugiesischen Spezialmetallen, die zu Trumans "strategischer Reserve". hinzugeschlagen werden sollen, und Portugal braucht amerikanische Güter. Die Interessen stehen also pari. So kann man in Lissabon auftrumpfen: Ohne es zur direkten Bedingung zu erheben, bitten die Portugiesen, auch Spanien in die europäische Hilfsaktion einzugliedern. Und sie werden nicht nachlassen, scheint es, die Politik mit der Wirtschaft zu ihren Gunsten zu verbinden.

Warum kann sich ein Land von 8,3 Mill. Einwohnern diese Sprache erlauben? Steht es so günstig? Portugal hat im Kriege eine wirtschaftliche Blüte erlebt, die, einmal, zurückzuführen ist auf das große Interesse für Rüstungsmetalle (Wolfram und Kupfer) und, zum zweiten, auf die erhöhte Nachfrage nach Erzeugnissen, für die andere Lieferländer ausgefallen waren, sowie, zum dritten, auf den erhöhten Durchgangsverkehr. Lissabon ist seitdem internationaler Treffpunkt.

Die Ansammlungen von Gold und Devisen, die aus dem Kriegsgeschäft resultierten, haben ausgereicht, Portugal auch heute noch ein Land harter Währung sein zu lassen. Jedoch, ganz ohne Sorgen ist man nicht mehr. Seit 1945 fließt mehr an Werten ab, als hinzukommt. So mußte man 1948 mit Importrestriktionen beginnen, um zu verhindern, daß der Escudo gegen Luxuswaren eingetauscht wird.

Auch für das vergangene Jahr zeigt die Außen-"Handelsbilanz Portugals, daß die Ausfuhrziffern nur etwa 50 v. H. der Einfuhrziffern erreichten. Es sind in den letzten Jahren für Portugal sehr viele ehemalige Handelspartner ausgefallen. Unter ihnen steht Deutschland nicht an letzter Stelle. Man hofft in Lissabon, daß die in Frankfurt angebahnten Außenhandelsbesprechungen recht bald zu einem günstigen Abkommen zwischen Portugal und Westdeutschland führen.

Im Innern betreibt Portugal, das seine strategische Position zu burteilen weiß, eine starke Industrialisierung, für die 1947 über eine Milliarde Escudos ausgegeben wurden (1 Escudo gleich 4,03 Dollarcents). 300 Mill. Esc. .wurden ferner zur Erweiterung der Handelsflotte aufgewendet, die heute einen Umfang von 445 000 NRT hat. – Die Schulden, die die Dollarschwachen während des Krieges in Portugal aufgenommen haben, läßt man sich in Ware bezahlen. So hat kürzlich Lissabon für insgesamt 1,2 Mrd. Esc. ausländische Besitzungen in seinen Kolonien, z. B. den Hafen von Beira und die British-Beira-Eisenbahnen, übernommen. W–n.