Nach Buchstabe c des äußerst problematischen und deshalb heftig umkämpften Artikels VIII Kontrollratsgesetz Nr. 12 dürfen sich Verluste, die durch Krieg verursachte Zerstörungen und Beschädigungen entstanden sind, nicht gewinn- oder einkommensmindernd auswirken. In Wirtschaftskreisen und auch in der Fachliteratur ist immer wieder die Meinung vertreten worden, daß unter Artikel VIII c nur Verluste bei Sachgütern fallen könnten. Man berief sich dabei insbesondere auf die Übersetzung des Kontrollratsgesetzes ins Deutsche: die darin gebrauchten Ausdrücke "Zerstörung" und "Beschädigung" zwängen zu der Folgerung, daß das Kontrollratsgesetz lediglich die Schäden im Sinne der Kriegs-Sachschäden-Verordnung vom 30. 10. 40 habe erfassen wollen.

Diese Ausdrücke sind auch in § 9a des Einkommensteuergesetzes übernommen worden, ohne daß dadurch allerdings die gesetzgebenden Organe zu der Streitfrage bereits endgültig Stellung nehmen wollten. Nunmehr hat aber der Oberste Finanzgerichtshof München die Anwendung des Artikels VIII c genau geprüft; er ist in seiner Entscheidung vom 27. 10. 48 zu folgendem interessantem Ergebnis gelangt:

Maßgebend für die Auslegung des Kontrollratsgesetzes Nr. 12 und damit des Artikels VIII c ist nicht die deutsche Fassung, sondern der Originaltext. Die in ihm gewählten Worte, die in der ungenauen deutschen Übersetzung mit "Zer-Störung" und "Beschädigung" wiedergegeben werden, sprechen keine Beschränkung auf Schäden von Sachgütern aus. Sie drücken vielmehr den Total- oder Teilverlust aus, der in Verbindung mit Wirtschaftsgütern jeder Art möglich ist. Würde der Gesetzgeber die Bestimmung des Artikel VIII c auf Sachgüter beschränkt haben wollen, so hätte er im Originaltext das entprechende Wort für "Sachen" beifügen müssen, Das ist jedoch nicht geschehen. Im übrigen können aber auch die deutschen Worte "Zerstöung" und "Beschädigung" mit Schäden in Verbindung stehen, die keine Sachschäden darstellen zum Beispiel Zerstörung oder Beschädigung des Rufes einer Firma). Auch ein Vergleich mit der Kriegssachschäden-Verordnung spricht nicht für, sondern gegen die Auffassung, daß Artikel VIII c lediglich die Entschädigungsansprüche nach dieser Verordnung gemeint habe. Denn in ihr ist im Gegensatz zum Kontrollratsgesetz ausdrücklich die Beschränkung auf Sachschäden ausgesprochen, Der Oberste Finanzgerichtshof kommt deshalb zu dem Schluß, daß Artikel VIII c nicht nur auf Verluste aus Sachgütern begrenzt, sondern auf Verluste bei Wirtschaftsgütern jeder Art, also auch an Rechten oder sonst unkörperlichen Gütern (insbesondere Beteiligungen), anzuwenden ist.

Voraussetzung für die Anwendung des Abzugsverbots nach Artikel VIII c ist jedoch stets, daß die Schäden durch den Krieg verursacht sind, Das ist nach der Definition des Obersten Finanzgerichtshofes nur dann der Fall, wenn die Zerstörung oder Beschädigung des Wirtschaftsguts in wirtschaftlichem Zusammenhang mit den Kampfhandlungen der kriegführenden Staaten stehen. Durch den Krieg wurde schließlich das gesamte Wirtschaftsleben beeinflußt, ohne daß deshalb aber in jedem Falle von unmittelbaren Kriegsauswirkungen im Sinne des Kontrollratsgesetzes gesprochen werden könnte. Dieses Gesetz mußte sich auf bestimmte Tatbestände beschränken, die mit dem Kriegsgeschehen in besonderer Weise verbunden sind, um nicht ins Uferlose zu geraten. Es sind das die Tatbestände, die mit den Kampfmaßnahmen unmittelbar zusammenhängen und deren Auswirkungen man als unmittelbare Kriegsschäden empfindet. Hierzu gehören zum Beispiel nicht die Maßnahmen zur Erzeugung der Kampfmittel. Auch der Zusammenbruch des Reiches und damit die Wertminderung der Forderungen an das Reich können nur als mittelbare Folge der Kampfmaßnahmen und damit des Krieges angesehen werden. Durch den Krieg verursacht sind lediglich die Schäden, die unmittelbar bei Niederkämpfung und Abwehr des Gegners von den Kämpfenden herbeigeführt worden sind. Auch die unmittelbaren Begleitumstände der Kampfmaßnahmen (wie zum Beispiel Plünderungen bei der Besetzung des eroberten Gebiets) sind Kriegsschäden. Soweit danach Artikel VIII c nicht anwendbar ist, entfällt das Abzugsverbot und können entsprechende Abschreibungen vorgenommen werden. f.