Auf der Konferenz der Ministerpräsidenten, die über Wochenend in Hamburg stattfand, ist fast über alles gesprochen worden, was die Deutschen dieser Zeit bewegt. Aber das wichtigste Thema war wohl der Ruf nach der Heimkehr der Rußland-Gefangenen. "Die Sorge um unsere Kriegsgefangenen", sagte Hamburgs Bürgermeister Brauer, "ist eine deutsche, ist unsere eigene Sache". Ferner ist über jene neuerlichen Gebietsforderungen gesprochen worden, welche die Weststaaten euphemistisch "Grenzkorrekturen" nennen, und wenigstens was Frankreich betraf, konnte Ministerpräsident Wohleb beruhigend sagen, die Franzosen dächten nicht daran, badischen Boden zu annektieren; es sei da freilich der Hafen Kehl nicht ohne Problematik; immerhin, es gäbe Beispiele einer gütlichen Regelung ... Schließlich bekundete man den Parlamentariern in Bonn so etwas wie wohlwollende Zurückhaltung oder zurückhaltendes Wohlwollen und gab dem Rat den Rat, seine Arbeiten endlich mit Energie zu Ende zu führen. Die Zeit drängt.

Wer den Parlamentarismus von Bonn studiert hat und nun Gelegenheit erhielt, den Beratungen der Länderchefs ein wenig zu folgen, sah die Unterschiede: dort viele Parteiendogmen und viel Parteieneigensinn, hier die Objektivität sachlicher Sorgen. (Und Brauer war es, der mit dem ihn auszeichnenden Humor sagte, man vergäße glatt im Ministerpräsidentenkreise, wer "rechts", wer "links" sei.) Ganz zweifellos sind solche Länderchef-Konferenzen gerade wegen dieser ihnen eigenen Sphäre der Sachlichkeit eine vernünftige Sache. Und es tut wohl zu hören, worüber sich wenigstens die deutschen Länderchefs einig, sind: – darin, daß (wie ein Referat Arnolds über das Ruhr-Statut verriet) weder ein Interesse an Remilitarisierung noch an Wiederaufrüstung besteht, und darin, daß alle einer Entwicklung zustimmen, die zu einer Europa-Union führen könnte. Mtr.