In Pirmasens, dem pfälzischen Schuhproduk-

tionszentrum, ist man pessimistisch. Und nach der Rede, die Prof. Erhard kürzlich in Ludwigshafen hielt, ist man zu allem Pessimismus auch noch verschnupft. Man fühlt sich teils als Prügelknabe, teils als Konkurrenzopfer der Doppelzone, weil man befürchtet, daß bei einem Anhalten der bisherigen Benachteiligung die Schuhindustrie der französischen Zone von der Konkurrenz der Doppelzone an die Wand, gedrückt werden könnte.

Pirmasens und seine Umgebung leben von einer florierenden Schuhfabrikation oder kranken an der Lahmlegung dieses Industriezweiges. Seit Jahr und Tag teilt die französische Besatzungsmacht nur für 300 000 Paar Schuhe je Monat die notwendigen Rohstoffe zu. Das hat sich selbst nach der Währungsreform nicht geändert. Dagegen werden allein in der Doppelzone in diesem Monat 3,5 Mill. Paar hergestellt, während doch – so sagt man in Pirmasens – früher jeder dritte Schuh aus Pirmasens stammte und auch heute noch 50 v. H. der westdeutschen Schuhindustrie in der Pfalz liegen.

Leider glaubt man, daß die nicht ganz zu verheimlichende politische Maxime in dem Satz gipfelt: "Erst Trizone, dann mehr Marshall-Plan-Rohstoffe!" Soll aber erst ein Zusammenbruch von Pirmasens die Notwendigkeit der Bildung der Trizone beweisen? Man müßte meinen, daß ein Todesurteil für eine so bedeutungsvolle Grenzlandindustrie vermieden werden kann. Auch eine weniger schwerwiegende Folge wäre schon katastrophal genug.

In Pirmasens können auch heute noch im Monat 2 Mill. Paar Schuhe hergestellt werden. Bisler wurde es durch die Knappheit der Rohstoffdecke verhindert. – Und die äußere Folge dieser Entwicklung ist, daß bereits Fachkräfte zur Doppelzone abwandern und neue Betriebe aufbauen. München, einst Hauptstadt der Pfalz, scheint von den abwandernden Fachkräften besonders bevorzugt zu werden. go.