Wie es im "Dritten Reich" war, so macht sich auch in den "Volksdemokratien" die unterdrückte Kritik der freien Genossen in Witzen Luft, die die wahre Volksmeinung widerspiegeln.

Als eines Tages die bulgarische Postministerin, Tzola Dragoitschewa, bei Ministerpräsident Georgi Dimitroff zur Berichterstattung erschien, fragte er sie ungehalten, warum bisher noch keine Briefmarken mit seinem Porträt im Umlauf wären, wie es doch sonst in Königreichen und Volksdemokratien Sitte sei. "Gedruckt sind sie schon", antwortete die Dragoitschewa verlegen, "aber sie kleben nicht". Und sie überreichte ihm einen Bogen der mißlungenen Serie. Dimitroff riß eine Marke ab, leckte, klebte und sagte erstaunt: "Wieso, sie kleben doch!" – "Ja, Genosse Dimitroff" –, der Postministerin war offensichtlich unbehaglich zumute – "das dumme Volk spuckt aber immer auf die andere Seite."

Zwei Rumänen gingen in Bukarest spazieren. Und weil sie beide alte Freunde waren, schimpften sie auf die Regierung. Schimpften so ausgiebig, daß sie sogar das Nahen eines Polizisten übersahen, bis er sie ansprach: "Genossen, ihr dürft unsere vom Volk verehrte Regierung nicht kritisieren". – "Das tun wir auch gar nicht", sagte der eine. "Natürlich nicht", unterstützte ihn sein Freund, "wir schimpfen auf eine ganz andere Regierung". Doch der volksdemokratische Hüter der Ordnung ließ sich nicht eine Sekunde lang beirren. "Redet keinen Unsinn und seid still", fuhr er die beiden an. "Ich weiß genau, welche Regierung es verdient, beschimpft zu werden".