In Paris starb der über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannte Maler, Bühnenbildner, Buchillustrator und Modeschöpfer Christian Bérard, seit Jahren von ganz Paris nur noch "Bébé" oder Monsieur Bébé genannt – so populär war dieser außergewöhnliche Künstler selbst bei denen, die nichts von seiner seltenen Intelligenz und seinem vielseitigen Schaffen wußten und nur von der liebenswerten Drolligkeit seiner äußeren Erscheinung gefesselt wurden. Bébé besaß die unerklärliche Gabe der Allgegenwärtigkeit. Es gab keine Premiere, kein Konzert, kein Diner von Belang, aber auch kein Volksfest, wo man den dicklich-kleinen Mann, den wohl jeder Pariser des öftern gesehen hat, nicht getroffen hätte. Er trug einen schweren dunklen Rundbart, war sehr nachlässig gekleidet und überall von seinem weißen kleinen Hündchen "Hyazint" begleitet, von dem er sich trotz aller Verbote selbst im Theater nicht trennte. Seine Güte – was hat er nicht alles verschenkt in seinem Leben! – war ebenso sprichwörtlich wie sein geistvoller Witz, der nie ins Billig-Boshafte ausartete.

Er hat jung als glänzender, strich- und farbensicherer Porträtist begonnen. Das beste Werk jener Zeit, sein Selbstbildnis, hängt zwischen Meisterwerken Goyas und Rembrandts in der Sammlung seiner Freundin Marie Laure, Vicomtesse de Noailles, in deren prächtigem Hause er ebensooft Hof hielt wie in der ersten besten Arbeiterkneipe.

In den letzten fünfzehn Jahren wandte er sich mehr und mehr dem Theater und dem Ballett zu. Unvergeßlich sind die Bühnenbilder und Kostüme für die Inszenierungen von Jouvet und J. L. Barrault, für die Ballette von Henri Sauguet und viele andere Aufführungen. Zahllose, von ihm jedesmal sofort vergessene Modelle für Abendkleider und Schmuck stammen von seiner Hand. Daneben illustrierte er die Bücher der Autoren, die er liebte; Giraudoux, Cocteau, Julien Green, Elsa Triolet, Chamisso, La Motte-Fouquet, E. Th. A. Hoffmann. Allem, was er nur berührte, hauchte er Poesie ein. Wann er die Zeit zur Arbeit fand, blieb seinen Freunden stets ein Rätsel.

Er starb mit 47 Jahren an einem Herzschlag, bei einer späten Beleuchtungsprobe neuer Bühnenbilder, die er für eine Neuinszenierung von Moliéres Scapin gemacht hatte. In seiner Tasche fand man Joseph Breitbachs Erzählungsband "Der verliebte Liftboy". Bérard, mit dem in Paris ansässigen rheinischen Autor befreundet, hatte das Buch illustrieren wollen, sein Exemplar aber verloren und sich wenige Stunden vor seinem Tode von Joseph Breitbach ein neues geben lassen.

Paris trauert, und viele Künstler und Liebhaber der Kunst in der ganzen Welt. J.–Ch. S.