Der Mann hatte einen guten Kopf. Es war ein klardenkender, kühler Kopf. Trotzdem verlor er ihn durch ein Unheil und wußte es nicht einmal. Er war sich dieses Kopfes seit langem nicht mehr bewußt, ja, auch dessen Anblick war ihm lange nicht vergönnt gewesen.

Erst nach Jahren, auf einer Reise entdeckte er in der Heimat seinen Kopf wieder. Er ging eine zerstörte Straße entlang. Er suchte nach der einstigen Wohnung; an ihrer Stelle erblickte er Trümmer und als ihren Bestandteil und zugleich als ihre Krönung einen Kopf – seinen eigenen Kopf! Dieser hatte gelitten, die Hirnschale und eine Backe waren nicht mehr vollständig. Gleichviel, es war sein Kopf. Der Mann begrüßte ihn wie seinen besten Freund, der alles weiß, was wir sind, und was wir einst besaßen. Weil er lädiert und patiniert war, liebte er ihn um so mehr. Er ergriff ihn, nahm ihn unter den Arm und ging in einer leichten Verwirrung seines Ichs weiter. Er kam an ein unzerstörtes Idyll, ein Häuschen unter Bäumen. Hier wohnten Freunde. Er trat ein. Vorher legte er schamvoll seinen Kopf unter einen Baum.

Nach der Frist eines frohbewegten Wiedersehens verließ er das Haus und ging über den Rasen, um seinen am Baum ruhenden Kopf aufzuheben. Doch der eben erst Gerettete war fort! Der Mann begann zu suchen. An der Seite des Hauses erblickte er einen Behälter, dem er sich ahnungsvoll näherte. Er enthielt alles, dessen Menschen der Zivilisation sich entledigen als des unbrauchbar Stofflichen mit dem Sammelnamen Müll. Obenauf lag der Kopf, von einem Künstler aus edler Materie geformt – sein gesuchter Kopf!

Seit der Zerstörung der Stadt war dieser Kopf Jahre hindurch auf den Trümmern am Wege der Vorübergehenden unbegehrt liegen geblieben, und jetzt nach seiner Rettung widerfuhr ihm Ärgeres; er wurde abgeräumt als wertlos und gänzlich unbrauchbar.

Hatte niemand in dieser Zeit, die nur wenige wahre Werte noch besitzt, den Ausdruck des geistigen Gehaltes dieses Kopfes, seine Formung als Kunstwerk und, wenn nicht diese, so doch wenigstens den Sachwert kostbaren Materials erkannt?

Der Mann lächelte bei dem zweiten Finder. Er fühlte sich – jetzt ohne die Verwirrung durch das erste Wiedersehen – klar und eins mit den Gefundenen. Er nahm seinen Kopf sorglich unter den Arm, um ihm seinen Platz einzuräumen.