Die Leipziger Frühjahrsmesse, die vom 6. bis zum 13. März stattfindet, steht anscheinend unter dem günstigen Stern positiver interrationaler Gespräche zum Ausbau des Handels zwischen Ost und West. Man ist in Leipzig eifrig bemüht, auch dieser Messe wieder den gewohnten großen Rahmen zu geben, selbst wenn die westdeutsche Wirtschaft nur zu einem ganz geringen Teil als Aussteller auftreten kann. Diese Tatsache wird nicht allein in Westdeutschland bedauert.

Es hat aber den Anschein, daß die Teilnahme westdeutscher Messebesucher diesmal reibungsloser vor sich gehen kann, obwohl die vorgeseheten Sonderzüge ausfallen müssen. Dafür hat das rührige Leipziger Messeamt den Transport der Messegäste ab der sowjetischen Besatzungszonen-Grenze sichergestellt. An den Grenzübergängen Helmstedt-Marienborn und Heroldishausen-Wartha werden täglich Omnibusse bereitstehen. Ab Herrnburg bei Lübeck wird, sogar ein Sonderzug eingesetzt werden, der am 5. März nach Leipzig fährt, um nach einem fünftägigen Aufenthalt wieder zur Zonengrenze bei Lübeck zurückzufahren. Die erheblichen Reiseschwierigkeiten haben das Interesse, das die westdeutsche Wirtschaft nach wie vor an Leipzig hat, nicht mindern können. Aus Hamburg hatten sich zum Transport mit Sonderzügen etwa 3000 Besucher gemeldet. Die Handelskammer wird nun etwa 1000 Messebesuchern in Omnibussen die Fahrt nach Leipzig ermöglichen können. Aus Köln werden über 400 Geschäftsleute nach Leipzig fahren. Kummer bereitet nach wie vor das leidige Umtauschverhältnis des Geldes. Ausländische Besucher müssen in "Valuta-Mark" zahlen (1 $ = ’3,33 Valuta-Mark), während die Westzonen-Besucher für 1 Westmark nach dem "amtlichen" Kurs nur 0,80 Ostmark erhalten.

Die ernsthaften Bemühungen der westdeutschen Wirtschaft, die Leipziger Messe zu besuchen und so mit der Wirtschaft der sowjetischen Besatzungszone im Gespräch zu bleiben, sind Beweis für die Hoffnungen, die man in deutschen Kreisen, besonders in Hamburg, noch immer auf das Wiederaufleben des Interzonenhandels mit der Ostzone hegt. Diese Bemühungen dürften mich dem Pessimisten einleuchtend sein, wenn er weiß, daß sogar das Zweimächte-Kontrollamt die Einbuße, die die Exporteure der Westzonen durch die Nichtbeteiligung an der Leipziger Messe erleiden, auf rund 20 Mill. DM schätzen, we.