Auf Vorschlag von Minister Schlange-Schöningen hatte die amerikanische Regierung vier der bekanntesten deutschen Landwirtschafts-Wissenschaftler zu einem Forschungs-und Studienaufenthalt nach Amerika eingeladen. Es waren dies: Professor Denker, Leiter des Instituts für Landmaschinenlehre und Physik in Bonn-Poppelsdorf, Professor Könekamp, Leiter des Instituts für Grünlandforschung in Völkenrode, Professor Rudorf, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Züchtungsforschung in Voldagsen und Professor Speiser, Leiter des Instituts für Landmaschinenkunde, Kiel. Am ihren Berichten bringen wir eine kurze Zusammenfassung.

Das Seengebiet ist der Teil Nordamerikas, der am ehesten mit den deutschen landwirtschaftlichen Verhältnissen verglichen werden kann. Es wurden daher vor allem die Staaten Ohio, Illionis, Wisconsin und Michigan bereits Die besonderen Voraussetzungen Amerikas, die das Bild der dortigen Landwirtschaft bestimmen, und die damit gleichzeitig, die dort gesammelten Erfahrungen für eine deutsche Auswertung begrenzen, liegen vor allem in zwei Tatsachen: Einmal in der scheinbar unendlichen Fülle an Nutzflächen und der vergleichsweise hierzu knapp bemessenen Arbeitskraft, weswegen man dort als wesentlichste Aufgabe nicht die Steigerung der Intensität je Flächeneinheit anstrebt, sondern vielmehr das Ziel einer Arbeitsersparnis je Flächeneinheit vor Augen hat. Und zum anderen darin, daß es in den USA eine Preisschere praktisch nicht gibt, weil der Farmer in sehr elastischer Weise auf die Marktverhältnisse reagiert. Er ist in ganz anderer Weise als der geschichtsbestimmte und schicksalsergebene deutsche Bauer in der Lage, Produktionsänderungen rasch vorzunehmen. Er verkauft seine Farm und kauft eine neue, stellt sich von Milchwirtschaft auf Wollschafe um, oder von Geflügel auf Schweinemast und übt damit einen entscheidenden Einfluß auf die Preisbildung aus, während der traditionsgebundene deutsche Bauer meist Objekt der Preisbildung ist. Aus diesen beiden Besonderheiten läßt sich eigentlich die ganze Struktur und Arbeitsweise der amerikanischen Landwirtschaft ableiten.

Der amerikanische Farmbetrieb ist um ein Mehrfaches größer als unsere durchschnittliche Bauernwirtschaft. Trotzdem ist er ein typischer Familienbetrieb. Während man in Westdeutschland für 100 ha landwirtschaftliche Nutzfläche ca. 25 Arbeitskräfte braucht, kommt man in USA mit 2,5 Mann aus. Die Voraussetzung für eine solche Wirtschaftsweise ist natürlich eine weitgehende Mechanisierung aller Bearbeitungs- und Erntevorgänge, und ihre Folge besteht zwangsläufig in einer für unsere Begriffe überraschenden. Extensität. Nach amtlichen Statistiken von 1938 sind die deutschen Hektar-Erträge bei Weizen und Kartoffeln ca. zweieinhalbmal größer als in USA; wobei zu sagen ist, daß Kartoffeln in größerem Stil nur in bestimmten Gebieten angebaut werden und dann auch dort ein zusätzlicher Bedarf an Arbeitskräften entsteht. Im allgemeinen beschränkt man sich deshalb auf oberirdische Hackfrüchte, wie Mais und Sojabohnen, deren Aussaat, Bearbeitung und Ernte ausschließlich maschinell bewältigt wird und deren Erntemengen je ha nur etwa 10 bis 20 v. H. unserer sehr viel voluminöseren Hackfrüchte ausmachen, so daß auch das Transportproblem leichter zu lösen ist.

Wenn man erfährt, daß ein Landarbeiter bei freier Station monatlich 150 Dollar erhält (was im Oktober 1948 dem Gegenwert von 29 dz Käfer = 580 DM, im Januar 1949 allerdings nur mehr dem Gegenwert von 17 dz Hafer 340 DM entsprach), wenn man also feststellt, daß die Jahreskosten einer Arbeitskraft mehr als 2000 Dollar betragen, während ein 40-PS-Dieselschlepper 3000 Dollar kostet, dann versteht man den starken Zug zur Mechanisierung, der in den USA vorherrscht. Für den Erlös von 1 dz Hafer kauft der amerikanische Farmer, der fast ausschließlich mit Benzintraktoren arbeitet, 180 Liter Benzin, der deutsche Bauer 50 Liter (bei Rohöl: 280 Liter gegen 105 Liter).

In Deutschland ist es das Ziel jedes maschinellen Einsatzes, eine größere Schlagkraft während der Erntezeit zu gewinnen, den Anbau der Zwischenfrüchte zu erleichtern und die Bodenbearbeitung zu verbessern, in Amerika hingegen mechanisiert man, um Arbeitskräfte und damit Kosten zu sparen. Dieser fundamentale Unterschied hat während der letzten Jahre zu einer Form der Mechanisierung in Amerika geführt, die auf unsere Verhältnisse nichtübertragbar ist. Fast überflüssig zu erwähnen, daß das Pferd in diesem Wirtschaftssystem keinen Platz mehr hat. Während es sich früher nur um die Mechanisierung einzelner Arbeitsgänge handelte, die in USA und Deutschland gleichermaßen notwendig und gültig waren, befinden sich die USA heute auf einer Stufe der Technisierung, die keine Allgemeingültigkeit mehr besitzt, weil dort ganze Betriebsvorgänge "am laufenden Band" durch das kettenhafte Aneinanderreihen von Spezialmaschinen fast lückenlos mechanisiert werden. Im ihrigen ist die Verarbeitung der Ernte vom Hof fast ausschließlich auf das Feld verlegt. Hierfür stehen in erster Linie die, wie Professor Denker sie nennt, "Sammel-Erntemaschinen" zur Verfügung: der Mähdrescher beim Getreide, der cornpicker für die Körnermaisernte und der pick up Häcksler für den Silomais. Diese speziell auf die amerikanische Betriebsweise zugeschnittenen Maschinen sind für die ganz anders gearteten deutschen Verhältnisse nicht geeignet, so daß man mit einer raschen Hilfe durch Import von amerikanischen Landmaschinen nicht rechnen kann. Selbst die Schlepper lassen sich nicht nach Deutschland verpflanzen, weil sie bis zu 35 und 40 PS ausschließlich mit Benzinmotoren ausgestattet sind. Auch für die deutschen Verhältnisse vorbildlich ist aber offenbar das Heuernteverfahren in USA und die dabei verwandten Maschinen: der Mähhicksler und die Grünfutterlader. Das gleiche gilt von den neuen Melkmaschinen, die ein Nachmelken von Hand überflüssig machen und auf die Professor Könekamp besonders hinweist.

Sehr große Anregungen hat offenbar der Austausch der Erfahrungen auf pflanzenzüchterischem Gebiet gebracht. Wobei es sich vor allem um die Grundlagen der Resistenzzüchtung gegen Viruskrankheiten handelt – ein Gebiet, auf dem die amerikanische Forschung sehr weit gediehen ist. Da für die deutsche Landwirtschaft vor allem die Virusbekämpfung bei der Kartoffel von größter Wichtigkeit ist, hat Professor Rudorf Samen von mexikanischen Wildarten mitgebracht, um die bei uns bereits begonnenen Versuche: Restistenzmerkmale von Wildkartoffeln auf Kulturarten zu übertragen, variieren zu können. Er empfiehlt im übrigen die Ausdehnung des Luzerneanbaus und den Versuch, amerikanischen Zuckermais als Frisch- und Konservengemüse anzubauen. Was insofern besonders reizvoll erscheint, als der Kolben in milchreifem Zustand geerntet wird, so daß die noch grüne Pflanze für Frischfutter und Silage Verwendung finden, kann. Sehr beachtlich sind die Verwendung die man in den USA mit dem Anbau von Maishybriden gemacht hat. Fast 100 v. H. der Maisflächen in den großen Maisbaugebieten sind Hybriden und zwar meist Doppelkreuzungen. Die durch sie bewirkte Ertragssteigerung beträgt gegenüber den frei abblühenden Zuchtsorten rund 25 v. H. Besondere Erfolge hat die amerikanische Pflanzenzüchtung beim Beerenobst gezeitigt. Auch hier ist den deutschen Besuchern Pflanzgut der besten Sorten und neuesten Forschung zugesagt worden.