Von den "volksdemokratischen" Statistikern erscheinen uns die Rechner in Prag noch die verläßlichsten und pünktlichsten. Auch sie machen; Propaganda, gewiß – sie machen zum Beispiel die Außenhandelsbilanz durchweg friedlich auf, obwohl alle Welt weiß, daß Waffen nach Palästina gesandt wurden und daß das Land nicht nur Websaal, sondern auch Waffenschmiede war. Was die Gruppengliederung und Benennung betrifft, dürfen wir also, objektiv manchen Zweifel äußern; die Globalzahlen entsprechen aber einer gewissen Logik; für sie sprechen auch zwei Gründe: erstens wäre gegenüber dem Westen die Gegenprobe zu leicht, und zweitens folgen gegenüber dem Osten, insbesondere Sowjetrußland, die angegebenen Zahlen bekannten Tatsachen.

Das heißt konkret: die Tschechoslowakei hat nach der Mißernte von 1947 viel ans Sowjetrußland einführen, müssen. Dadurch war zu Beginn 1948 die Handelsbilanz stark passiv – aber Moskau hat den Gegenwert bis zum Jahresende eingetrieben, und man konnte schließlich folgende Summen zeigen:

1948 1947 in Millionen Kc

Einfuhr 37 716 28 635

Ausfuhr 37 648 28 609

In beiden Jahren hat man also einen Ausgleich geschaffen in denen sich die Summen fast aufs Haar gleichen, was auf gewisse Dezember-Manipulationen schließen läßt. 1948 zeigt höhere Zahlen in der Ein- und Ausfuhr, besonders aber im Warenaustausch mit Sowjetrußland. Doch diese höheren Ziffern bedeuten kein Glück. Denn schließlich waren in den Jahren vorher UNRRA-Güter umsonst ins Land gekommen (und man hatte libenswürdigerweise unter "Hilfsbedürftige" auch die längst Ausgewiesenen eingerechnet). Diese kostenlosen Einfuhren kamen aber nicht in die Statistik. Von den Ausfuhren wurde jedoch, jede Krone angerechnet. So war der Ausgleich leicht – und unecht.

Im Jahr 1948 war der Ausgleich echter und schwieriger: jeder Leiterwagen der Osthilfe mußte bezahlt werden. Die Umstellung und auch sonst bemerkenswerte Momente zeigt folgende Liste der Länderanteile am tschechoslowakischen Außenhandel. Es zeigt sich also vor allem gegenüber Großbritannien ein bedenkliches Passivum (zu den über 4 Mrd. Passivsaldo in zwei Jahren ans Warenforderungen kommen noch Abgelteguthaben für Verstaatlichungen wie Schicht-Unilever u. a.). Auch gegenüber den USA ist man mit über 2 Mrd. im Rückstand (aus 1947 und 1948). Bei Schweden ist aus einem kleinen. Aktivum 1947 ein großes Passivum 1948 geworden. Ein wesentliches Moment des Osthandels ist allerdings nicht zu überprüfen: wie und zu welchen Preisen kauft Moskau, wie verkauft es? Man spricht gelegentlich von Weltmarktpreisen zuzüglich halber Seefracht mit Spesen. Aber was ist der Weltmarktpreis für kurzstapelige russische Baumwolle, für Spezialmaschinen am Pilsen, und wer bestimmt bei so ungleicher Partnerschaft die Abrechnung?