Von Ulla Stöver

Die Alten glaubten, daß die Sonne im Goldund der Mond im Silber leben. Ein Dichter hat die Edelsteine "farbige Träume der Abgründe" genannt. Es ist so wichtig, daß es Schmuck gibt: er repräsentiert die anmutigste Seite des Lebens. Und es ist ein französisches Wort, das dieser Tatsache Ausdruck verliehen hat: "Le superflu c’est necessaire." Dieser "Überfluß" ist notwendig, weil der Schmuck mehr als nur äußere Zutat und bloßer modischer Effekt ist: er verrät etwas von der Eigenart jeder Frau, von ihrer Fähigkeit zu jener Freude, die aus dem Betrachten schöner Dinge erblüht. Deshalb waren Schmuck und Mode von jeher miteinander verbunden und werden es immer bleiben. Für die

Tatsache, daß auch der Schmuck der Mode unterworfen ist, braucht es keine Beweise. Was der Überblick über das Schaffen der Juwelierwerkstätten in\ Hamburg allgemein zeigt, ist die Bestätigung des Urteils, das man neuerdings gelegentlich aus dem Ausland gehört hat: Hamburg sei als Stätte für hochwertigen Schmuck an die Stelle von Berlin getreten. Viele Ausländerinnen geben in Hamburg ihre Bestellungen auf. Und es ist ein Stil. von internationaler Geltung, der in den Hamburger Werkstätten entwickelt wurde.

Aus Paris, und zwar aus der Rue de la Prix, kam die aus spielerischem Übermut geborene Idee, Edelsteine, Smaragde und Saphire nicht nur facettiert zu verwenden; man schleift und graviert sie jetzt zu verschiedenartigen Gebilden, zu Blumen, Blättern, Blüten und Knospen und stellt sie zusammen zu kleinen Buketts. Clips sinddie große Mode, Clips in jeder Form und lebhafter Farbenzusammenstellung. Man liebt sie nicht nur, weil sie praktisch zu handhaben und zu befestigen sind, sondern weil bei ihrer Gestaltung derPhantasie keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Als Blumen, Schmetterlinge und Schleifen beleben sie Revers, geraffte Gürtelpartien und Ausschnitte. Sie geben nachmittags dem dir einen Färbeffekt, worauf sie dann abends, zum festlichen Anlaß, freilich vom anspruchsvolleren Ohrgehänge verdrängt werden. Da ist dann nicht mehr das Gold tonangebend, sondern das kühlere Platin, reich mit funkelnden Brillanten besetzt, mit Perlen und Steinen, die in vielfachem Facettschliff glühen. Die Fassungen dieses Schmucks sind leicht und zurückhaltend gebaut, sie lassen den Steinen. – vor allem Brillanten, tiefgrünen Smaragden,* blutroten Rubinen, nachtblauen Saphiren und gleichsam samtenen Perlen – den Vorrang. Perlenketten schmiegen sich um den Hals. Aber auch heute noch sind Bnillantkolliers, kaskadenartig sprühend, in Mode geblieben. Die Frau, die sich für den Alltag schmückt, bevorzugt streng gebaute Ringe mit rund geschliffenen Schmucksteinen und schlichte Armreifen, die vielleicht als einzige Verzierung einen weichgeschlungenen Herkulesknoten tragen, wie er schon im Altertum beliebt war und Böses abwehren sollte.

Es ist bei alledem die Mode nicht allein, sondern die Kunst ist es, die den Schmuck gestaltet. Natürlich, Schmuck-Kunst ist Luxus. Sie gibt indes Tausenden von Arbeitern, Industrie und Handwerk Beschäftigung und Brot. Und daß die deutsche Goldschmiedekunst auch im Ausland wieder an Bedeutung gewinnt und durch Exportmöglichkeiten unseren Lebensstandard erhöhen hilft – auch dies sind reale Vorstellungen und Forderungen, die uns die harte Gegenwart stellt.

Kürzlich hatte man Gelegenheit, wertvolle Schmuckstücke und in Silber getriebene Schalen und Leuchter eines Hamburger Juweliers zu sehen, die auf der Deutschen Industrieschau zu New York, und zwar im Rockefeller-Museum, vom 9. bis 24. April dieses Jahres ausgestellt werden. Unter den Ringen fiel besonders der Ring "Die Woge" auf, der eine große, dunkelgraue Perle zeigt –: sie liegt im Hohlraum einer Woge aus Rotgold, die Fassung aus Platin ist mit vielen kleinen Brillanten besetzt. Einen "Maskenring" sah man, der surrealistisch genannt werden kann. Er wurde von einer Schweizer Schauspielerin bestellt und trägt auf der Oberseite eine Maske und der dem Handteller zugewandten Seite das Zeichen der Fische mit dem Glücksstern der Bestellerin. H. S.