Es ist immer wieder lehrreich, an historischen Bildern die gleichbleibende Gesetzlichkeit von Ereignissen aufzuzeigen, deren Kennzeichen die bewußte Lenkung elementarer Kräfte durch die Macht eines außergewöhnlichen persönlichen Willens ist. Ein solches Bild, das mit der Anschaulichkeit unmittelbarer Gegenwärtigkeit auf uns Heutige einwirkt, entwirft Hans von Rimscha in seinem Buch "Die Gracchen, Charakterbild einer Revolution und ihrer Gestalten" (Winkler-Verlag, München). Die beiden Seiten, deren Zusammenwirken das große politische Schauspiel ergibt – das Elementare und das Individuelle – werden in ihrem Spannungsverhältnis erlebt. Die aktuellen Phänomene des "Volksführers" (und -Verführers), des Tribunen, Diktators und echten Reformators einerseits, und der labilen "Masse" anderseits, außerhalb deren eine überalterte Interessentenschicht Vergangenheit zu konservieren bemüht ist, sind hier mit den solidesten Darstellungsmitteln und in engster Anlehnung an die verbürgte Überlieferung sichtbar gemacht. Ein Werk von wissenschaftlichem Ernst, das sich wie ein fesselnder biographischer Roman liest.

Die Tragik des Justizirrtums ist das Thema der "Drei Schicksale", die Ernst Sander im J. P. Todt-Verlag, Hamburg, zu einer Erzählungstrilogie vereinigt hat. Drei historische Fälle, die sich im 17. Jahrhundert in England ereigneten, werden hier in erzählerisch glänzender Form aufgerollt: die mit Todesurteil und Vollstreckung endenden Prozesse gegen Jonathan Bratford, gegen den Kupferstecher Wynne Ryland und gegen den Gouverneur von Goore, Joseph Wall. Im ersten Fall verurteilte das Gericht den Mann, der einen Mord nur gedacht, nicht ausgeführt hatte und glaubte nicht an die Existenz des wahren Mörders, der jenem zuvorgekommen war. Im zweiten Fall ließ es Indizienbeweise gelten, die aber keine eindeutige Beweiskraft hatten. Im dritten beugte sich die Justiz politischen Interessen. Meisterhaft ist die Darbietung der realen Vorgänge, meisterhaft auch die Durchleuchtung der psychologischen Motive. Und vorbildlich die sachliche, saubere Sprache des Buches.

Die durch Schlichtheit, Geradheit und "gesunden Menschenverstand" für sich einnehmende Schilderung eines bürgerlichen Entwicklungsganges bietet Georg Siemens in seiner Selbst darstellung "Erziehendes Leben, Erfahrungen und Betrachtungen" (Port-Verlag, Urach). Politik Industrie, Technik und Kultur des Deutschlands der letzten rund 50 Jahre werden objektiv angeschaut und subjektiv erlebt. Ein besonders interessantes Kapitel heißt "Philosophie der Technik".

A–th