Von unserem Pariser Korrespondenten

Der Prozeß Kravchenko bewegt nicht nur die Gemüter in Paris, wo er am 24. Januar vor der 17. Strafkammer begann; er zieht als öffentlich geführte Auseinandersetzung zwischen östlicher und westlicher Mentalität weite Kreise in Europa und Amerika In seinen Bau. Es geht am folgendes: Victor A. Kravchenko, während des Krieges ans der Sowjetunion nach Amerika geflohen and Verfasser des Buches "Ich wählte die Freiheit", hat die kommunistische Wochenschrift "Les Lettres Françaises" wegen Verleumdung verklagt In dieser Wochenzeitung war im November, 1947 ein Artikel "Wie Kravchenko gemacht wurde", erschienen, in dem ein gewisser Statt Thomas nachzuweisen suchte, daß Kravchenko unmöglich der Autor von "Ich wählte die Freiheit" sein könne, weil ihm für eine derartige intellektuelle Leistung die Begabung fehle. – Wir begannen in unserer vorigen Ausgabe mit einem ausfürlichen Berlicht über den Prozeß, der mit einem großen Aufgebot von Zeugen geführt wird. Unser Bericht schloß mit der Vernehmung des kommunistischen Abgeordneten Fernand Grenier, mit dessen weiteren Aussagen wir die Schilderungen über den Prozeßverlauf heute wiederaufnehmen.

Gruner bestreitet die Wahrhaftigkeit der Kapitel, in denen Kravchenko seine Kindheit schildert. So genau könne sich kein Mensch an zurückliegende Gespräche erinnern. Der Exminister hat aber wenig Erfolg mit diesem Vorstoß. Denn nirgendwo, so schreit Kravchenko, habe er behauptet, daß die Worte, die er sich selbst und seinen Eltern in den Mund gelegt habe, stenographisch. genau seien. Grenier, den kein Dementi stört, fährt fort und behauptet, die politischen Säuberungsaktionen der früheren GPU, heutigen NKWD, besser zu kennen als der Exsowjetbürger Kravchenko. Es ginge in Rußland immer äußerst menschlich zu. Er, Grenier, habebei einem Studienaufenthalt in Rußland selber einer solchen "Reinigung" beiwohnen dürfen.

"Als Gast", ruft Kravchenko, "als Gast, dem man, wie überall in Rußland, Potemkinsche Dörfer zeigt."

Und sein Rechtsbeistand fragt den ehemaligen