Die Statistik des Außenhandels ist stets ein Gradmesser für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage gewesen. Heute, wo neben dem generellen Verlauf des Warenaustausches die Wirkungen des Umrechnungskurses und der Dollarklausel unsere gespannte Aufmerksamkeit fordern, dient sie in noch stärkerem Maße als früher als Barometer für die Kontrolle der in der amtlichen Handelspolitik eingeschlagenen Wege. Es lohnt sich daher, die Ziffern der Außenhandelsstatistik in der Doppelzone für das Jahr 1948 auf die Entwicklung des Wirtschaftsverkehrs mit dem Ausland im vergangenen Jahre hin zu prüfen. Dabei ergeben sich recht, aufschlußreiche Entwicklungslinien.

Die Passivität der Handelsbilanz hat von 117,6 v. H. der Gesamtausfuhr in der Zeit van Januar bis Juli auf 74,1 v. H. im Dezember abgenommen, Die Einfuhr in die Doppelzone beträgt bis zum Jahresende 221 v. H. derjenigen bis Juli, die Ausfuhr dagegen 276 v. H. Die Gesamtausfuhr im Dezember mit allein rund 290 Mill. DM hat die des Juni (110 Mill. RM) am über das Doppelte und die des Januar (43 Millionen RM) sogar um das annähernd Siebenfache übertreffen.

Europa partizipierte an der Gesamteinfuhr der Doppelzone 1948 mit 28,3 v. H.; sein Anteil ist vom Juli mit 26 v. H. ab nur unwesentlich gestiegen. Die Ausfuhr nach Europa belief sich 1948 auf 84 v. H. der Gesamtausfuhr gegenüber 86,9 v. H. in der Zeit bis Juli. Die Vernachlässigung der außereuropäischen Märkte ist mithin noch nicht in nennenswertem Umfang (von 13,1 v. H. bis Juli auf 16 v. H. bis Dezember) gewichen.

Die Einfuhr aus den USA, die bis Juli 52,7 v.H. der Gesamteinfuhr erreicht hatte, ist bis Dezember nur unbedeutend auf 49,8 v.H. gefallen. Die Verlagerung des Importes von Rohstoffen und Nahrungsmitteln zur Dollarersparnis aus Gebieten harter Valuta in andere Länder ist offenbar noch nicht ausreichend scharf angefaßt worden.

An der Gesamteinfuhr der Doppelzone sind Rohstoffe bis Juli mit 21,1 v. H. und bis Dezember mit 23,1 v.H. beteiligt. Trotz beträchtlicher absoluter Erhöhung des Rohstoffimportes, der im Dezember allein mit 145 Mill. DM mehr als das Doppelte des Juli (68 Mill. DM) und über das Sechsfache des Januar (24 Mill. RM) erreichte, ist die relative Vermehrung im Verhältnis zu den übrigen Einfuhrgruppen und mit Rücksicht auf den Rohstoffbedarf der Exportindustrie zu klein. In den als normal anzusprechenden Zeiten des Jahres 1936 bestanden 37,2 v. H. der deutschen Gesamteinfuhr ans Rohstoffen für die gewerbliche Wirtschaft.

Von einem Anteil von 37,2 v. H. an der Gesamtausfuhr bis Juli stieg die Fertigwarenausfuhr auf 42,3 v. H. bis Dezember. Sie hat im Dezember allein mit rund 150 Mill. DM das 3,3fache der des Juni (45 Mill RM) und sogar das 13 1/2fache der des Januar (11 Mill. RM) erreicht. Bei ihrer Bedeutung für die Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte will uns trotzdem weder der absolute, noch der prozentuale Zuwachs genügen. Die Vergleichszahl von 78,9 v. H. der Gesamtausfuhr 1936 stimmt in diesem Zusammenhang eher bedenklich.

Die Zwangsausfuhr von Brennstoffen (d. h. Stein- und Braunkohlen sowie Koks) mit 708 Mill. Mark im Jahre 1948 oder rund 39 v.H. der Gesamtausfuhr ist zwar prozentual von 41,3 v. II. in der Zeit von Januar bis Juli gesunken, aber sie liegt immer noch viel zu hoch. Wenn man die Zwangslieferungen von Rund- und Schnittholz (über 104 Mill. RM/DM) und von Schrott (fast 47 Mill.) in das Ausland hinzurechnet, werden mit allem zusammen mehr als 47 v.H. der Ausfuhr durch den unsere Rohstoffversorgung gefährdenden Zwangsexport gedeckt. Er beansprucht die vorhandenen Zahlungskapazitäten in den Empfangsländern unserer Ausfuhr in einem solchen Maße, daß für andere, uns genehmere Exportprodukte nicht mehr genügend Raum übrigbleibt. H. P.