Ausbau der Verbindungen im Ausland- und Inlandverkehr

Für den Durchschnittsdeutschen werden auch in den nächsten Jahren die internationalen Luxuszüge lediglich als Wunschtraum bestehen, und er wird sie im Höchstfalle einmal von einem Bahnsteig aus "genießen" können. Trotzdem entwickeln sich die Reisemöglichkeiten des europäischen Verkehrs auch für uns günstiger. Dazu tragen die Ergebnisse der kürzlichen Fahrplan-Konferenz von Krakau maßgeblich bei. Sie bringen mit dem Sommerfahrplan eine weitere Normalisierung des Reiseverkehrs in Europa. Es werden zahlreiche neue Züge eingelegt, und die Fahrzeiten verringern sich infolge einer erheblichen Beschleunigung innerhalb der deutschen Strecken. Die Züge haben künftig auch Polsterklasse. Außerdem tritt ebenfalls bei den Anschlüssen eine Verbesserung ein. Vor allem wird es Deutschen – und das dürfte für uns das Entscheidende sein – erlaubt werden, innerhalb der deutschen Grenzen die neu eingelegten internationalen Züge gegen Zahlung der Fahrkarten in DM zu benutzen.

An den Fahrplanverbesserungen hat sogar die äußerst verkehrsschwache sowjetische Besatzungszone Anteil. Hier wird mit dem Sommerfahrplan eine durchgehende Verbindung von Kopenhagen über Warnemünde, Schwerin, Berlin und Dresden nach Prag geschaffen. Allerdings wird dieser Kurswagen nur devisenzahlenden Fahrgästen vorbehalten sein.

Für die Westzonen zeigt der internationale Fahrplan folgendes Bild: Köln bekommt eine Vormittagsverbindung nach Brüssel sowie Nymwegen über Kranenburg und Venlo über Kaldenkirchen. Die Gegenzüge fahren in den Abendstunden. – München erhält ein neues FD-Zug-Paar als Nachtverbindung von und nach Arnheim; außerdem hat München künftig eine neue Verbindung nach Rom mit Schlafwagen bis Verona. Von dort bestehen Anschlüsse nach Mailand und Genua. Die bisher bestehende Verbindung zwischen München und Rom bekommt dreimal wöchentlich einen Schlafwagen. Zwischen München und Triest wird ferner als Verbindung nach Jugoslawien ein Kurswagen laufen. München erhält auch über Lindau nach Zürich eine neue Nachmittagsverbindung nach der Schweiz.

Die bereits laufenden Expreßzüge sind leider immer noch nicht für den innerdeutschen Verkehr gegen D-Mark freigegeben. Es schweben zwar in dieser Richtung Verhandlungen, ob sie noch bis zum Eintritt des Sommerfahrplanes erfolgreich abgeschlossen werden können, muß abgewartet werden. Diese Züge erfahren eine erhebliche Beschleunigung. So wird der Skandinavien-Schweiz-Expreß auf der deutschen Strecke seine Fahrzeit um drei Stunden verringern, der Ostende-Wien-Expreß um eindreiviertel Stunden und der Orient-Expreß um etwa 40 Minuten. Darüber hinaus erhalten diese Expreßzüge wesentliche Ergänzungen. Der Skandinavien-Schweiz-Expreß wird durch Schlaf- und Kurswagen von Kopenhagen nach Chur und Rom sowie von Stockholm nach Rom zu einem Skandinavien-Schweiz-Italien-Expreß ausgebaut. In Hamburg erhält er Anschluß an eine neugeschaffene Verbindung Hamburg-Wien mit Anschluß nach Budapest. Sie führt Polsterklasse und Schlafwagen. Diesen Zug dürfen Deutsche benutzen. – Eine wesentliche Ergänzung erfährt schließlich auch der Orient-Expreß durch Anschluß von Paris nach London; Damit bestehen wieder direkte Verbindungen zwischen London und Bukarest sowie zwischen Stockholm und Rom.

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Der Sommerfahrplan, der im wesentlichen ebenfalls im Winter beibehalten werden soll, wird sich auch im Inlandverkehr wieder den normalen Verhältnissen angleichen. Die Reste der Reiseverzögerungen aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren wurden fast völlig beseitigt. Die Fahrgeschwindigkeit wird auf den Hauptstrecken wieder auf 100 km je Stunde erhöht werden. Gleichzeitig will man die Aufenthalte entsprechend dem zügigeren Verkehr abkürzen. Damit werden Verkürzungen der Reisezeit um etwa 25 v. H. erreicht So fährt man in Zukunft von München nach Hamburg etwa 3 1/2 Stunden, von Hamburg nach Köln etwa 1 1/2 bis 2 Stunden weniger. Ähnlich wird auch die Zeitersparnis zwischen Frankfurt und München sein. Dadurch können die Züge verkehrsgünstiger gelegt werden, d. h. die Tageszüge brauchen nicht mehr vor 7 Uhr und die Nachtzüge nicht schon in den Nachmittagsstunden abzufahren.