Es ist nicht neu, aber grauenvoll. Und geht uns Deutsche ganz besonders an: Das System – der Zwangsarbeit in der Sowjetunion. Denn erstens sollten wir nicht allzu schnell vergessen, daß Hitler einmal auch unseren Staat zum Sklavenhalter herabwürdigte, und zweitens sind Millionen Deutscher von diesen Verbrechen im sozialistischen Arbeiterparadies betroffen.

Insgesamt seien fast zwei Millionen Deutsche zu irgendeiner Zwangsarbeit in der Sowjetunion eingesetzt, sagte der britische Staatssekretär Mayhew vor dem Wirtschafts- und Sozialausschuß der UNO. Weitere 200 000 bis 300 000 Deutsche säßen in den KZs der Sowjetzone. Der USA-Delegierte Thorp gab die Gesamtzahl der in "Sklavenlagern" der UdSSR festgehaltenen Menschen mit 8 bis 14 Millionen an. Beide Vertreter legten, zusammen mit der AFL, Beweise vor und erklärten, es gäbe nur einen Weg, die UND davon zu überzeugen, daß die Beschuldigungen falsch seien: Die Sowjetregierung müsse einer überparteiischen UNO-Untersuchung zustimmen. Was der Kreml von solchen Aufforderungen hält, konnte man zwei Tage später in Genf erfahren. Die Sowjetunion trat zusammen mit der Ukraine und Weißrußland’aus der Weltgesundheitsorganisation aus, weil auch diese Organisation Kommissionen in die UdSSR Schicken wollte.

Der Eiserne Vorhang wird immer undurchdringlicher. Aber noch dringen die Hilfeschreie von Millionen über ihn hinweg. Sicher ist es verdienstvoll, die Sklaverei von Hammer und Sichel, die nicht, nur in der UdSSR, sondern in allen Satellitenstaaten herrscht, vor der UNO anzuprangern; letzten Endes jedoch bleiben solche Waffen der Sowjetunion gegenüber wirkungslos. Der Westen wird andere, schärfere Mittel anwenden müssen als papierene Proteste und moralische Verurteilungen, um dem Kreml zu beweisen, daß er es ernst meint und daß er nicht gewillt ist, die Intoleranz zu tolerieren. "Ich sage euch", schrieb John Ruskin, "daß der Grundsatz des Sichnichteinmischens so selbstsüchtig und ist wie der ärgste Eroberungswahn und sich von einem solchen nur dadurch unterscheidet, daß er nicht nur boshaft, sondern-auch feige ist."

C. J.