Viele Delegierte der von 25 Nationen beschicktenEuropäischen Handelskonferenz in Genf halten das herausgegebene Kommunique, das von "einem seit Beendigung des Krieges seltenen Geist der Zusammenarbeit und der Verständigung" spricht, für etwas zu optimistisch. Trotzdem muß dieser Genfer Konferenz bescheinigt werden, daß sie ernsthafte Versuche machte, endlich wieder den lahmliegenden West-Ost- und damit auch den Ost-West-Handel in Gang zu bringen. Diese Bemühungen wurden von den Delegierten der Weststaaten und auch von den Vertretern der Oststaaten unternommen und scheinen gewisse Aussichten auf Erfolge zu haben.

Der britische Delegierte sagte auf der Konferenz, die von dem Ausschuß für Handelsförderung der UNO-Wirtschaftskommission für Europa einberufen wurde, die Bereitwilligkeit seines Landes zu, Kredite an osteuropäische Länder im Hinblick auf spätere Rohstofflieferungen seitens dieser Staaten zu erwägen. Die Delegierten der Oststaaten boten für diese zur Beschaffung von Maschinen in Aussicht gestellten Kredite bereitwillig Rohstoffe und Nahrungsmittel. Auch die USA erklärten sich zur Erhöhung ihres Osthandels bereit, allerdings unter dem Ausschluß von strategischem Material. In diesem Chor der Befürworter einer Ausweitung des West-Ost-Handel fehlte – ohne jedes Veto – sogar die UdSSR nicht. Ihr Sprecher, der Vizepräsident der Sowjetischen Staatsbank, forderte in Genf eine Änderung des Export-Lizenzen-Systems der USA und damit ein freizügigeres Kreditsystem, um gegen die Lieferung der für den Westen wichtigen Rohstoffe die in den Oststaaten fehlenden Maschinen kaufen zu können. Von britischer Seite wird eine verstärkte Konvertierbarkeit für das Pfund Sterling erwogen.

In Westdeutschland verfolgt man naturgemäß diese West-Ost-Bemühungen mit besonderer Aufmerksamkeit. Hier fragt man sich jedoch, wie wohl ein Ausbau des Handels zwischen den USA und Großbritannien mit Sowjetrußland möglich sein könnte, wenn selbst den westdeutschen Exporteuren gerade jetzt dieser Handel besonders erschwert worden ist. Für Westdeutschlands Industrie wäre es schon ein beachtlicher Lichtblick, wenn – statt der völligen Abschnürung – endlich der Interzonenhandel mit der sowjetischen Besatzungszone wieder anlaufen könnte. Aber die Verwirklichung selbst dieses bescheidenen Planes scheint nur in nebelhafter Ferse zu liegen.

ww.